KW 51/52: Rosige Aussichten - wenig Arbeit und viel Hygge

Die schlechte Nachricht zuerst: Maschinen übernehmen nach und nach unsere Arbeitsplätze. Hört sich ungut an, hat aber auch Vorteile: Wir können uns endlich ausgiebig dem „hyggeligen“ Lebensstil widmen.

Hygge. Schon mal gehört? Nein? Wir ehrlich gesagt auch nicht. Zumindest nicht bis zum vorletzten Newsletter in der Woche vor Weihnachten. Darin verlinkten wir auf einen Artikel, der den Übergang vom „Cocooning“ zum „Hygge“ postulierte. Der Beitrag des Zukunftsinstituts ist ein Auszug aus dem „Zukunftsreport 2017“ und erläutert kurz und prägnant die Unterschiede der beiden Wohlfühltrends: „Cocooning“, der Rückzug ins häusliche Privatleben, ist für die Autoren Symptom der hyperindividualistischen Gesellschaft, die in den 1990er Jahren mit Wirtschaftsboom und Neoliberalismus ihren Ausgang nahm. Man macht die Tür zu und ist mit sich alleine.

„Hygge“ hingegen verbinde das Bedürfnis nach Rückzug, Privatheit und Sicherheit mit Konnektivität und Kommunikation, also mit einer neuen „Wir-Kultur“. Der Trend entstand in Skandinavien. Der dänische Begriff „Hygge“ entspricht in etwa der deutschen „Gemütlichkeit“ und ist anders als das „Cocooning“ nicht individualistisch, sondern sozial geprägt. Es geht um das aktive Gestalten des unmittelbaren Umfelds – mittels eines Lebensstils, der sich auf die kleinen Dinge konzentriert. Mehr Zeit mit Freunden und Familie, mehr Zeit für Genuss gehören ebenso dazu wie Achtsamkeit und das (partielle) Vor-Der-Tür-Lassen von Politik und Problemen. Dazu gehört natürlich auch eine passende Atmosphäre: gedämpftes Licht, Kerzenschein, behagliche Möbel, Naturmaterialien sind die Einrichtungsbegleiter des hyggelschen Lebensstils, der von Dänemark aus langsam die Welt erobert. Für den britischen Guardian liegt darin eine Chance: „Im günstigsten Fall kann der Hygge-Hype dazu ermutigen, die Liebe zur Einfachheit zu entdecken (…) und die menschlichen Beziehungen wieder in den Fokus zu setzen. Im ungünstigsten Fall wird Hygge nur ein Vehikel sein, um den Verkauf von Kerzen und dänischen Designer-Lampen anzukurbeln.“

Die Roboter kommen und nehmen uns die Arbeitsplätze weg

Wie es auch immer endet, irgendetwas muss am Hygge-Trend dran sein, denn während Deutschland im „World Happiness Report“ gerade mal Rang 16 erreicht, ist das glücklichste Land der Welt: Dänemark, the Home of Hygge. Dass uns bald mehr Zeit für die einfachen Dinge des Lebens bleibt, hat übrigens noch eine ganz andere Ursache. Im zweiten Link der Woche geht es um die Abschaffung der Arbeit, wie wir sie kennen. In der Süddeutschen Zeitung schreibt Alexander Hagelüken darüber, dass Roboter mehr und mehr Arbeitsplätze überflüssig machen. Im gleichen Maße, in dem die Maschinen klüger werden, können sie Arbeitsplätze komplett ersetzen – und zwar nicht nur wie das 1914 bei Ford eingeführte Fließband die Tätigkeiten von ungelernten Arbeitern, sondern auch die von Sachbearbeitern etwa in der Finanzbranche und sogar von Akademikern, denn Technologie könne schon heute Studenten unterrichten, Rechtsfragen erläutern oder Patienten diagnostizieren. Bisher profitierten die meisten (meint natürlich: die besser qualifizierten) Menschen von der technologischen Entwicklung: Jobs würden zwar überflüssig, auf der anderen Seite entstünden stetig neue. Trotzdem sieht Alexander Hagelüken gewaltige Probleme auf uns zukommen. Er schlägt vor, die Arbeitnehmer an den Gewinnen der Unternehmen zu beteiligen – dafür müsste man allerdings noch einen Job haben. Vielleicht wäre es auch eine gute Idee über die Verteilung von Arbeit nachzudenken. Warum nicht mehr Menschen weniger arbeiten lassen? Man hätte mehr Zeit für Hygge oder was man sonst so gerne tut – und würde trotzdem seinen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand beitragen. Das hätte doch was! 

Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins neue Jahr und eine hyggelige Woche! 
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION