KW 10: Den richtigen Riecher haben

Was brauchen die Leute von heute? Wonach sehnen sich die Menschen, die ein neues Möbelstück kaufen wollen oder sich in ihren vier Wände neu einrichten möchten? Wer den Markt genau beobachtet und auch mal was wagt, kann – zum richtigen Zeitpunkt und mit der nötigen Portion Glück – mit seinem Angebot genau den Nagel auf den Kopf treffen. Wie das geht, machen Startups und ausgefallene Unternehmen vor:

Individuelle und maßgefertigte Möbel liegen in der Kundengunst zurzeit ganz weit vorne. Diese sollten außerdem am besten bequem auf dem Sofa von zu Hause aus bestellbar sein. Das haben Startups wie Tylko oder Mycs erkannt – und konnten Investoren von ihren Ideen überzeugen. Das polnische Startup Tylko konzentriert sich beispielsweise ganz auf den Bereich der Regale und Tische. Die einzelnen Stücke können vorab mit Hilfe einer App und Augmented Reality virtuell im eigenen Zuhause platziert werden, sodass der am Produkt interessierte Nutzer das Möbelstück sozusagen live vor Ort sehen kann. Dadurch möchte Tylko eventuelle Enttäuschungen bei der Lieferung der Möbel vorbeugen, denn oftmals sehen Produkte auf den Bildern im Web anders aus als später in echt. Maßgefertigte Regale und Tische brauchen etwa sechs Wochen, bis sie im eigenen Wohnzimmer stehen. Dann können die Möbelstücke 100 Tage getestet und kostenlos zurückgeschickt werden. Das polnische Startup-Unternehmen konnte für dieses Konzept unter anderem Gruner + Jahr Digital Ventures und Paua Ventures als Investoren gewinnen.

Auch das Berliner Möbel-Startup Mycs erhält Investitionen von bekannten Unternehmen wie Rocket und zwei Project-A-Gründern. Das Konzept von Mycs ähnelt dem von Tylko – maßgeschneiderte Möbel werden online verkauft. Allerdings möchte das Unternehmen seinen Käufern die Qual der Wahl etwas abnehmen und bietet seine Produkte in einer Art Baukasten-Prinzip an: Aus festen Modulen können die Möbel nach Belieben zusammengestellt werden. Dabei sind die Lieferzeiten kürzer und auch die Preise können niedriger angesetzt werden, als es bei Unikat-Bestellungen der Fall ist. Die Investitionen werden bei Mycs vor allem in neue Showrooms und erweiterte Produktportfolios fließen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich Möbel-Startups wie Tylko und Mycs weiterentwickeln und ob sich deren Konzepte mit maßgeschneiderten und individuell zusammenstellbaren Produkten tatsächlich auf dem Markt durchsetzen. Blickt man auf den Individualisierungstrend, dass sich Menschen mit den Dingen, die sie umgeben, gerne voneinander absetzen möchten, so sind Mycs und Tylko wohl auf dem richtigen Weg.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Kein Startup mehr aber dennoch jemand, der in der Möbelbranche heraussticht, ist Möbeldesigner Nils Holger Moormann. Ein besonderer, ungewöhnlicher Mann, der für seine Passion lebt und für gute Ideen kämpft – selbst wenn sie die Investitionen nicht ansatzweise wieder reinspielen, wie der Pressed Chair. Die Möbel von Nils Holger Moormann fallen von ihrem Design her alle etwas aus der Reihe, bieten dabei aber entscheidende Lösungen für das bekannte Platzproblem. Das Projekt Kammerspiel, das in einer 41 Quadratmeter großen Wohnung in Bad Aibling realisiert wurde, vereint viele Funktionen in einem Kubus. Drumherum bleibt dann trotzdem noch Luft für neue Ideen oder andere Einrichtungsgegenstände. Nachhaltig, regional gefertigt und mit einer individuellen Geschichte versehen, treffen die Möbel von Moormann den Zeitgeist. Ein interessanter Mensch, der ein spannendes Unternehmen geschaffen hat, das Kreativität und neuen Ideen den nötigen Freiraum bietet, auch unter dem Risiko, dass mal was schiefgehen und sich nicht gewinnbringend verkaufen kann. Dass seine Möbel von großen Unternehmen wie IKEA oder Tchibo imitiert werden, zeigt nur, welchen Erfolg er mit dieser Form der Unternehmensführung hat. Was sagt uns das? Newcomer, die heute in der Möbelbranche erfolgreich sein wollen, müssen vor allem zwei Eigenschaften mitbringen: den richtigen Riecher und eine solide Portion Wagemut (was im Übrigen auch bei den meisten anderen Unternehmungen nicht hinderlich ist).

Wir wünschen Ihnen eine wagemutige Woche!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION