KW 11: Wachstumskurs und Zukunftsvisionen

Eigentlich könnte man sagen: Es läuft. Das Handwerk wächst, der Export auch – zum Beispiel nach China. Und genau dorthin will die AMK jetzt die deutsche Küchenbranche bringen und ihr damit einen vielversprechenden Zukunftsmarkt erschließen. Aber liegt die Zukunft der Unternehmen angesichts von Digitalisierung und Automatisierung wirklich im Reich der Mitte oder liegt sie vielmehr in unserer Mitte? Lassen Sie uns gemeinsam philosophieren.

“Für die Handwerker läuft’s.“ So betitelte die Frankfurter Allgemeine ihren Bericht über das seit Jahren größte Umsatzplus der Branche. Und das Handwerk steht damit nicht alleine. Die Umsatzzahlen bestätigen vielmehr die allgemeine positive Wirtschaftslage. Damit das so weitergeht und auch andere Branchen neben dem Handwerk wieder in die Wachstumszone kommen, gilt es, sich neuen Märkten zu widmen. Vor allem natürlich den Boommärkten. ‚Auf nach China‘ heißt es also für die AMK und deutsche Küchen. Im Gepäck sind dabei rosige Aussichten für den Erfolg in einem riesigen Absatzmarkt. „China ist unser Zielmarkt für die Zukunft“, so wird Kirk Mangels, Geschäftsführer der AMK in dem Artikel von CRI online zitiert. Für die nächsten Jahrzehnte ist das natürlich absolut richtig – und es gibt noch einige Märkte mehr, die zukünftig interessant werden. Trotzdem: Irgendwann ist auch der letzte Markt gesättigt und mit dieser Ausgangslage, in der das noch gültige Wachstumsdiktat nicht mehr haltbar sein wird, gehen dazu fundamentale Änderungen der Arbeitswelt einher. Jede Woche kursieren Begriffe wie Industrie 4.0, Digitalisierung und Automatisierung durch die Medien. Wir haben uns daran so sehr gewöhnt, dass wir kaum mehr über die Konsequenzen dieser kleinen Revolutionen - oder „Disruptionen“ wie man heute sagt - nachdenken. Dabei sind diese gravierend: Viele Jobs, mit denen wir heute unser Geld verdienen, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Klar, die Zukunft ist nicht schwarz, sie ist nur anders. Und die positive Lage der Gegenwart sollten wir nutzen, um uns Gedanken darüber zu machen, was passiert, wenn sich Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft ändern.

Digitalisierung, Grundeinkommen und soziale Jahre

 „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ – wer dieses Buch kennt, dem sagt der Name Richard David Precht etwas. Vor kurzem gab er zu Themen wie Digitalisierung, Arbeitswelt und Sozialstaat dem sozialen Netzwerk Xing ein Interview. Um gemeinsam zu philosophieren, bedienen wir uns eines Ansatzes des Philosophen – in dem vor allem Politik und Wirtschaft kritisiert werden. Nicht allen sei bewusst, dass sich Automation und Digitalisierung vielleicht auch ganz anders auf unser Leben auswirken, als das heute angenommen wird. Die aktuell boomende Wirtschaft und die Politik setze sich momentan noch nicht damit auseinander, dass mit der Digitalisierung auch eine große Welle an Arbeitslosigkeit angestoßen werden könnte. Denn Prozesse und Arbeitsweisen würden autonom, digital. Es brauche dann keinen Menschen mehr für bestimmte Tätigkeiten. Im Umkehrschluss bedeute das auch, dass viele von uns zum Beispiel früher in Rente gingen oder sich anderen Bereichen widmeten: „Ich würde, nachdem wir nun die Wehrpflicht ausgesetzt haben, ein soziales Jahr für jeden Schulabgänger verpflichtend machen – und für jeden, der ins Rentenalter eintritt. Also zwei soziale Pflichtjahre einführen“, so Precht im Interview. Neben einem Grundeinkommen, das damit verknüpft werden solle, dass sich Menschen mit Kreativität und Ideen weiter einbringen, fordert der Philosoph soziale Jahre für alle. Denn durch die von ihm prognostizierte „Massenarbeitslosigkeit“ müsse sich auch unser Sozialsystem ändern. Menschen, die ihren Job verlieren oder früher in Rente gehen, müssten aufgefangen werden. Dies solle also einerseits durch das Grundeinkommen geschehen, welches sich nach Precht zum Beispiel durch besteuerte Finanztransaktionen realisieren ließe, als auch durch die sozialen Pflichtjahre. Nicht jeder braucht eine Beschäftigung im gleichen Maße, nicht jeder wird glücklich, wenn er nichts tut. Doch ganz gleich was die Zukunft bringt und wie sich die Digitalisierung auf Wirtschaft und Arbeitswelt auswirkt und welche Einstellung wir zur Arbeit haben, sind die sozialen Jahre vielleicht ein Ansatz um als Gesellschaft zukunftsfähig zu werden und alle Menschen dabei einzubinden.

Wir wünschen Ihnen eine gute Woche mit viel Freude beim Philosophieren und Diskutieren!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION