KW 12: Von Daten und Verantwortung - der Facebook-Datenskandal

Seien wir ehrlich: Wie oft setzen wir den Haken bei Datenschutzrichtlinien oder AGBs, ohne auch nur ein Wort dieser gelesen zu haben? Immer! Und warum ist das so? Weil wir keine Zeit haben oder keine Lust, weil wir an das Gute glauben – sogar bei Facebook. Nach dem jüngsten Skandal könnte sich das ändern. Es geht um Datenmissbrauch, Krisen-PR und das höchste Gut seitens der User: Vertrauen.

Zum Einstieg eine persönliche Anekdote: „Das fliegt euch alles irgendwann mal um die Ohren. Ich wäre vorsichtig“, so die Aussage eines Vaters zu seiner Tochter, die den Rat dankend annahm und sich bei Facebook anmeldete. Gut acht Jahre später ist die gleiche Tochter immer noch bei Facebook angemeldet und muss zugeben, dass der vorsichtige Vater gar nicht mal so Unrecht hatte. Der Grund für diesen Sinneswandel ist der aktuelle Datenskandal um die mit über 2 Milliarden Mitgliedern unangefochten führende soziale Plattform. Vergangene Woche war genau dieser ein beherrschendes Thema der Medien: Der Ursprung des aktuellen Datenmissbrauchs liegt laut der NZZ im Jahr 2014, als die Datenanalysefirma Cambridge Analytica wohl gegen geltendes Recht Daten von 50 Millionen amerikanischen Facebook-Usern einkassierte – und mit diesen Daten in den amerikanischen Wahlkampf eingegriffen hat. Ans Tageslicht kam der Datenmissbrauch jetzt durch die Enthüllungen eines ehemaligen Mitarbeiters der Datenanalysefirma. Um an einer Umfrage teilzunehmen, nutzten Facebook-User eine App, die neben den eigenen Daten auch Zugriff auf die Daten der Facebook-Freunde des jeweiligen Nutzers hatte. Die Facebook-Datenschutzrichtlinien erlaubten das zu diesem Zeitpunkt. Aber die Daten wurden dann an Cambridge Analytica rechtswidrig weiterverkauft, sodass diese für politische Einflussnahme eingesetzt werden konnten – so die Zusammenfassung der NZZ. Anfang der letzten Woche kam der Stein ins Rollen. Mitte der Woche folgte die Reaktion von Facebook, das sein Bedauern mitteilte. Gleichzeitig positionierte sich das Unternehmen mit seiner ersten Reaktion als Opfer des Datenmissbrauchs: „Facebook sieht sich im Datenskandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica selbst als Betrogenen. „‘Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden“, heißt es in einer am Dienstag (Ortszeit) verbreiteten Mitteilung von Facebook‘“, schrieb horizont.net. Natürlich lief bei dem Unternehmen mit diesem Skandal jetzt die Krisen-PR-Maschine heiß. Wie sollte Facebook am besten auf den Skandal reagieren? Gegen Ende der Woche kam dann die nächste Reaktion – dieses Mal aber von dem Mann, der normalerweise Journalisten nicht gerne Rede und Antwort steht: Mark Zuckerberg entschuldigte sich und räumte zum ersten Mal Fehler ein. Man wolle die Daten der Nutzer schützen, zitiert die tagesschau den Facebook-Gründer.

Facebook – das Böse unter den sozialen Medien?

 Mit der Entschuldigung endet die Welle an Reaktionen von Facebook aber noch nicht. In britischen Zeitungen schaltete das Unternehmen jetzt Anzeigen, berichtet horizont.net. „We have a responsibility to protect your information. If we can’t, we don’t deserve it” – “Wir haben die Verantwortung Ihre Informationen zu schützen. Wenn uns das nicht gelingt, verdienen wir sie nicht.“ - so die Headline der Anzeige. Für Facebook der Versuch Vertrauen zurückzugewinnen. Vertrauen von Nutzern, die verunsichert sind. Was passiert mit den Daten, die man einstellt? Die junge Frau, die sich vor acht Jahren ein Profil erstellt hat, hat damals eher darüber nachgedacht, wer in dem sozialen Netzwerk Beiträge, Likes und Kommentare von ihr sehen kann. Tatsächlich zeigt der aktuelle Skandal um Facebook eher, dass es nicht darum geht, welche Freunde oder Bekannte welche Inhalte sehen, noch nicht einmal darum, ob Ihre Daten zu Werbezwecken verwendet werden, sondern vielmehr darum, was darüber hinaus noch alle möglich ist. Grundsätzlich scheint die Lage zum Datenmissbrauch diffizil: Waren die Daten, die weiterverkauft wurden, private oder öffentliche Daten der Nutzer? Wenn es öffentlich sichtbare Inhalte waren, dürfte es den User nicht weiter wundern, wenn Unternehmen sich diese zu Nutze machen – zum Beispiel für gezielte Werbung. Wenn wir das verhindern wollen, müssen wir unsere Social-Media-Aktivitäten eben einschränken. Anders sieht es natürlich bei privaten Beiträgen im Netzwerk aus. Da vertraut der User darauf, dass diese privat bleiben. Im Falle des Datenskandals bedeutet das: Facebook muss jetzt einiges tun, um sich unsere Informationen wieder zu verdienen. Und generell gilt es, eine weitere Lehre zu ziehen: Alle Beteiligten – Politik, Unternehmen und User – sollten gemeinsam darauf hinwirken, dass politische und gesellschaftliche Entwicklungen im Internet zwar diskutiert, aber nicht manipuliert werden können.

Wir wünschen Ihnen eine skandalfreie Oster-Woche – ohne allzu viel Zucker (-berg. Tschuldigung, das ging jetzt nicht anders).

Apropos Ostern: Auch in Hamburg suchen wir kommenden Montag Ostereier – damit fällt der Blogbeitrag am 02.04. aus. Ihr Team von GOOS COMMUNICATION