KW 15: Erfolgskonzept „Fast Interior“

„Trendorientiert, impulsiv und saisonal“ so beschreibt der Artikel von Fashion Network das Einkaufsverhalten in Bezug auf Kleidung. Gleiches soll den Kunden ebenfalls beim Einkaufen von Interior-Artikeln reizen. Um dies zu ermöglichen, eröffnen immer mehr Marken eigene Geschäfte für Wohnartikel oder bieten neben der Kleiderstange auf der Ausstellungsfläche Kerzen, Deko und Co. zum Verkauf. Brauchen wir das?

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Als Aufhänger für den Artikel dient eine amerikanische Klamottenmarke mit dem schönen Namen „Anthropologie“, die in Top-Lage an der Königsallee in Düsseldorf nicht etwa die Spezies der Düsseldorfer erforscht, sondern ebendiesen in ihrem ersten Geschäft in Deutschland Kleidung verkaufen will. Neben Mode soll es dort auch Wohnartikeln geben. Damit steht der Store für das noch recht junge Erfolgskonzept, das wir inspiriert von Fashion Network „Fast Interior“ taufen. Wie wir bereits im letzten GOOSsip-Blogbeitrag erfahren haben, müssen Marken ihren Kunden am POS eindrucksvolle Erlebnisse bieten. Beim Konzept „Fast Interior“ geht es genau darum. In trendbewusster, stylischer Umgebung – sogenannten Erlebniswelten – inszenierten Marken neben Mode auch ausgewählte Wohnartikel. Manche eröffneten dafür sogar eigenständige Geschäfte. Wie für die Mode dieser Marken gelte auch für den Bereich Interior: „fast“ müsse es sein. So schnell wie die Kleider wechselten, müssten auch Decken, Kissen und Notizblöcke saisonal abgestimmt werden. Nur so könne dem Einkaufsverhalten der Konsumenten entsprochen werden. Große Marken wie H&M und Zara sprächen damit auch eine große Zielgruppe an, die ihre Einrichtung nicht nur in den gängigen, großen Möbelhäusern kaufen will. Damit böten sie dem Konsumenten ein ganzheitliches Einkaufen, sodass sich jeder passend zu seinem Kleidungsstil einrichten könne. Laut Fashion Network ist es genau das, was sich der Konsument von heute wünscht. Das mag stimmen, doch wie für schnelle Fashion gilt auch für das Konzept „Fast Interior“:  Brauchen wir das wirklich? Sie ahnen es vielleicht: Bei dieser Frage geht um Nachhaltigkeit. Ein Begriff, der heutzutage inflationär geäußert wird. Ein Begriff, der gerne als schmückendes Beiwort verwendet wird und doch so wichtig ist. Und das vielleicht nicht nur für die Umwelt, sondern auch für uns selber.

Die „richtige“ Dosis

Bevor Sie jetzt aufhören zu lesen. Keine Sorge, wir stehen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vor Ihnen und verteufeln alles, was „fast“ ist. Schließlich ist fast jeder von uns Teil des im Artikel beschrieben Lifestyles. Einige Punkte sollte man sich von Zeit zu Zeit trotzdem bewusst machen: Bereits bekannt ist, dass in vielen Geschäften Mode und damit demnächst auch Wohnartikel nicht mehr nur saisonal wechseln. Es gibt also keine ausschließliche Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterkollektion, sondern große Marken streuen fast wöchentlich neue Kollektionen in ihre Geschäfte. Das ist alles andere als nachhaltig, weil der trendorientierte, impulsive und eben nur vermeintlich saisonale Konsument immer wieder zum Kauf gereizt wird. Und das ist verständlich: Neues und Schönes spricht uns an, egal ob Kleidung oder Einrichtung. Wie also damit umgehen, dass wir als trendbewusste und impulsive Käufer immer wieder neuen Reizen ausgesetzt sind? Die „richtige“ Dosis ist die Lösung. Kleidung und auch Einrichtung sind wichtig für unser Wohlbefinden, daher sollte man für beide Aspekte ein Gespür für den eigenen Stil entwickeln und versuchen diesen in das eigene Kaufverhalten zu übertragen. So kauft man bestenfalls nur das, was einem wirklich gefällt und nicht in einem Monat schwarz-weiß-gemusterte Kissen und im Monat darauf – von der gleichen Marke – Kissenbezüge mit Pflanzenmotiven. Sonst (Achtung: jetzt kommt doch noch ein Zeigefinger) finden die Anthropologen vom Jupiter in 200 Jahren vielleicht jede Menge Kissenbezüge, aber nicht mehr viele lebendige Düsseldorfer – und das wäre doch wirklich schade.

Wir wünschen Ihnen eine schöne, stilsichere und auch nachhaltige Woche!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION