KW 17: A4.0 - auf der Autobahn der Digitalisierung

In genau 25 Tagen tritt das neue Bundesdatenschutzgesetz in Kraft. Ihre Daten sollen damit besser geschützt und illegale Datendealer härter bestraft werden. Das wussten Sie bereits? Gut. Wir auch. Und wir haben uns gefragt, ob diese neue Sicherheit unserer Daten auch dazu führt, dass deutsche Unternehmen in Sachen Digitalisierung Gas geben.

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Beim Thema Digitalisierung geht es Deutschland gerade wie dem HSV. Nur mit Ach und Krach halten wir Anschluss – und müssen jedes Jahr wieder fürchten in die nächst niedrigere Liga abzusteigen. Das stellt auch der jüngste Digital-Atlas Deutschland wieder fest: Erst ein Fünftel aller deutschen Unternehmen sei digitalisiert, stellen die Verfasser fest. Im internationalen Vergleich stünden wir also eher schlecht dar. Die Gründe dafür seien, so schreibt absatzwirtschaft, die fehlende Datensicherheit für Unternehmen, der Mangel an Fachkräften und die Breitbandversorgung. Dass das nicht nur eine Behauptung ist, können wir aus eigener Erfahrung bestätigen: An Fachkräften mangelt es bei uns zwar nicht, aber selbst mitten im schönen citynahen Hamburg-Winterhude hatten wir bis vor kurzem eine Surfgeschwindigkeit, die Kuala Lumpur wahrscheinlich schon vor 20 Jahren überholt hat. „Geht nicht besser. Die Leitungen.“ – der Versuch, ein Upgrade zu bekommen schien lange aussichtslos, hat jetzt aber endlich funktioniert (und fragen Sie besser nicht, wie viele Telefonate dafür notwendig waren).

Genauso wie wir seit kurzem durch das Internet rasen, rauscht die Digitalisierung allerdings an vielen deutschen Unternehmen vorbei. Auf der Autobahn der Digitalisierung ist die deutsche Wirtschaft nicht auf der richtigen Spur und das wirkt sich auch auf ein wichtiges Verkaufsargument für deutsche Güter und Dienstleistungen aus – auf das berühmte „Made in Germany“ nämlich. Das stellt Jürgen Gietl in seiner Kolumne fest. Das Gütesiegel bräuchte dringend ein Upgrade – und zwar zu „Made in Germany 4.0“. Deutschland ist ein Autoland und mit seinen Automobilen auch Technologieführer. „Made in Germany“ – das stehe für Technologien – zumindest noch. Wenn diese Technik jedoch dafür eingesetzt wird, bei Abgaswerten zu schummeln, anstatt einen abgasarmen Motor zu entwickeln – dann ist es nicht weit her mit dem Gütesiegel und der Dieselskandal hat erste, deutliche Spuren hieran hinterlassen. Wie kann es für Deutschland also weitergehen? Wir haben Ingenieurskunst, aber kein Silicon Valley. Wir haben eine Menge Großunternehmen, aber unsere Innovationen werden weniger. Vielleicht sollten wir über die Einstellung und die Mentalität von Unternehmen nachdenken. Vielleicht liegt der Fokus von „Made in Germany“, nach einem Transformationsprozess von innen heraus, gar nicht auf industrieller Fertigung (für die ein Aufholen in der Digitalisierung unerlässlich wäre). Vielleicht liegt er vielmehr auf Vision oder Design, ganz im Sinne von: „Über den Tellerrand schauen“ und dem Herausfinden, was man noch kann. Vielleicht kommt der Wandel auch gar nicht von den großen Unternehmen und Schlüsselbranchen, auf die alle blicken. Was wäre, wenn wir mal klein denken. An wendige Mini-Unternehmen, wo nicht erst 25 Vorgesetzte, eine Geschäftsführung, ein Aufsichtsrat und noch ein paar tausend andere Stakeholder überzeugt werden müssen, bevor eine Idee umgesetzt werden kann. So wie Apple – aus der Garage in die Welt. Vielleicht sind es die Start-ups, die sich jetzt digital aufstellen und Impulse für die Großen geben. Vielleicht ziehen diese hinterher, wenn sie ein paar leuchtende Beispiele vor Augen haben. Vielleicht produziert die deutsche Autoindustrie dann auch mal Lösungen für die Mobilität der Zukunft statt an der nicht mehr lange praktikablen Idee des kraftstoffgetriebenen Individualverkehrs festzukleben. Fest steht: Irgendwas muss passieren. Denn wer in Zeiten der digitalen Globalisierung stillsteht, dem winkt ein eher trauriges Schicksal: Er darf auf dem Standstreifen vor sich hindämmern und die anderen Länder vorbeiziehen sehen.

 Werkzeuge, Fertigkeiten und Mentalität

 Wer Probleme aufzeigt, muss Lösungen anbieten. Das machen wir mit dem Artikel von Alexander Kluge. Dieser zeigt auf, was wirklich wichtig ist, wenn Unternehmen die Digitalisierung anpacken wollen: „Toolset, Skillset und Mindset“. Fertig. Na gut, so einfach ist es nicht. Hinter den drei Schlagworten steckt viel Arbeit für alle, die auf der Autobahn A4.0 in Richtung Digitalisierung fahren. Wie bei anderen Prozessen sind es viele und vielfältige Maßnahmen, die angesetzt werden müssen, um sich digital aufzustellen. Es reicht nicht, den Mitarbeitern nur ein gutes Werkzeug an die Hand zu geben. Es braucht auch das Lehren digitaler Fertigkeiten, um das Werkzeug richtig einzusetzen sowie die richtige Einstellung. Man muss es wollen und am besten gemeinsam anpacken: „Finden Sie die Menschen im Unternehmen, die Lust an Neuem haben, die gerne Dinge ausprobieren und die den Wandel mitgestalten wollen. Auf allen Ebenen, unabhängig von Position oder Standort, gibt es Menschen, die mitgestalten wollen. Die Kunst: Diese Mitstreiter dürfen nicht ernannt werden, sie sollten sich selber bewerben um diese Rolle. Das Versprechen: Ihr gestaltet Euer Unternehmen in der digitalen Transformation“, heißt es bei Kluge. Das ist ein klarer Aufruf an die deutsche Industrie: Sich im schicken Zweisitzer auf der A4.0 auf den Weg zu machen, ist weniger erfolgsversprechend, als der gemeinsame Start im Großraumwagen.

Wir wünschen Ihnen eine schöne Woche im digitalen Kollektiv!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION