KW 21: Wie man die Glücklichen noch glücklicher macht

Jeder fünfte Deutsche bezeichnet sich selbst als glücklich; nur 14 Prozent dagegen stufen sich als unglücklich ein. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von Yougov, die durchaus auch die Wirtschaft interessieren sollte. Glückliche Menschen sind offener für Werbung und konsumieren gerne. Darüber, wie man die Glücklichen noch glücklicher macht, gehen die Meinungen allerdings auseinander. 

Wenn es nach Ning Li geht, dann ist der Weg – zumindest für die Einrichtungsbranche – klar: „Die Konsumwelt bewegt sich heute sehr schnell. (…) auch die Interiortrends wollen die Leute sofort haben – das sind ungeduldige, junge, urbane Berufstätige. Die haben wenig Zeit, einen hohen Anspruch an Qualität, und sie wollen dafür nicht so viel Geld bezahlen.“ Ning Li ist einer der Gründer des Online-Möbelhauses Made.com und wurde vom Tagesspiegel zum Interview gebeten, um zu erläutern, wie er sich den Möbelverkauf der Zukunft vorstellt. Dass er und seine Kollegen dazu eine möglichst gute Idee haben sollten, erklärt sich aus dem nicht unbescheidenen Unternehmensziel. Made.com ist angetreten, um größer als Ikea zu werden! Funktionieren soll das mit einer soliden Mischung aus Qualität, Preis, Design und einer (fast) reinen Online-Strategie. Jüngst eröffnete das Londoner Unternehmen, das 2010 startete zwar einen Showroom in Berlin. Doch dieser sei nicht für den Verkauf gedacht: „Diese Showrooms sind wichtig für das Vertrauen (…) man kann die Qualität testen.“ Für Ning Li ist es eine natürliche Entwicklung, dass sich der Möbelverkauf in die Online-Welt verlagert. Artikel des Alltags würden bereits überwiegend im Netz gekauft – besonders von der jüngeren Generation, der Internet und Smartphone in die Wiege gelegt wurden. Mehr und mehr würden auch größere Artikel wie Sofas online gekauft. Die wesentlichen Merkmale des Internethandels – die grenzüberschreitende Verfügbarkeit mit 24h-Öffnungszeiten – will Made.com nun nutzen, um Ikea von rechts zu überholen. Und wie es sich für die jungen Wilden aus dem Internet gehört, ist Bescheidenheit bei diesem Vorhaben eher hinderlich – auch wenn Ning Li seine ziemlich harsche Kritik an den Schweden geschickt in einem Lob versteckt: „Für einen großen Teil des Marktes müssen Möbel eine Funktion haben, diese Kunden kümmert nicht so sehr, wie es aussieht. Da hat Ikea einen sehr guten Job gemacht, sie haben demokratisiert, was ich Funktion nenne. Aber sie haben sich nicht um Ästhetik und Design gekümmert.“ Bei Ikea wird man das etwas anders sehen. Was auch immer aus Made.com wird, ob deren Design einen wie auch immer gearteten Zeitgeist trifft – ein Problem werden beide Unternehmen teilen. Es geht heute ja gar nicht mehr nur darum, wie etwas aussieht. Es geht darum, dass es besonders aussieht, dass es individuell ist. Wer Qualität zu günstigen Preisen produzieren möchte, muss aber Massenware produzieren – sonst funktioniert das mit dem Preis nicht. Und schwupps ist sie futsch die Individualität.

Das andere Extrem: Qualität wie vor 100 Jahren

Hier kommt ein anderer Trend ins Spiel, der in der letzten Woche Thema unseres Newsletters war: das Manufakturwesen. Für Die Welt hat Janina Temmen verschiedene Manufakturen besucht. Unternehmen also, die bestimmte Produkte in handwerklicher Produktion fertigen. Ob es Bestecke sind oder Stoffe – die Hochwertigkeit und Individualität ihrer Produkte macht diese Unternehmen zu einem Gegenentwurf zu den Ikeas oder Made.coms dieser Welt. Doch natürlich haben es die wenigen Überlebenden dieser wiederentdeckten Produktionsart nicht leicht. Für die Filzmanufaktur Hey-Sign zum Beispiel habe sich die Anzahl seiner Fachhändler „allein in Deutschland in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert“. Hinsichtlich der Vertriebskanäle können sich die Produzenten also nicht mehr auf den stationären Handel verlassen. „Wir müssen uns auch verändern“, sagt Curt Mertens vom Besteckhersteller Carl Mertens aus Solingen. Und was Veränderung für das Manufakturwesen bedeutet, bringt uns wieder zu Ning Li. In gar nicht so ferner Zukunft wird sicherlich ein großer Teil auch der Einrichtungsbranche über das Internet verkaufen (oder zumindest werden die Verkäufe über das Internet angebahnt). Es ist also nicht falsch, jetzt schon Grundlagen dafür zu schaffen und sich Gedanken zu machen, wie man seine Produkte am besten zum Online-Konsumenten bringt. Und da kann man von Unternehmen wie Made.com sicherlich Einiges lernen.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Woche!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION

P.S.: Apropos Lernen. Hinsichtlich der Nutzung von Räumen hat Ning Li eine interessante Beobachtung gemacht, die wir nach einer kurzen, nicht repräsentativen Umfrage hier bei uns im Büro eher nicht teilen können. „Viele junge Leute arbeiten im Bett“, sagt er im Interview. Können Sie das bestätigen? Schreiben Sie uns! Wir freuen uns immer, wenn wir dazulernen können.