KW 23: Mit Pink gegen die dunkle Macht

„Finsternis ist gut. Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht.“ Steve Bannon, der (zum Glück weitgehend entmachtete) Berater von Donald Trump, macht aus seiner düsteren Gesinnung keinen Hehl. Zum Glück ist die Gegenbewegung auf Zack und bekämpft das Böse mit Pink-Latte! Währenddessen in China: das Land der Mitte wechselt auf die digitale Überholspur. Viel los in unserem Newsletter – lesen sie hier die Zusammenfassung.

Der 45. amerikanische Präsident hält die Welt weiter in Atem. Doch Johanna Bruckner, die für die Süddeutsche Zeitung das Leben in Amerika im Blick behält, hat einen Trend ausgemacht, der den komischen Vogel mit den unvorstellbaren Befugnissen in Kürze aus dem Amt jagen wird. Was Russland-Connections, Lügen, ein zweifelhaftes Verhältnis zu amerikanischen Grundwerten wie Presse- und Meinungsfreiheit und allerhand andere Minuspunkte auf der nach oben offenen Ich-sollte-kein-Präsident-Sein-Skala nicht vermochten – Pink Latte wird es richten! „Halten Sie es für einen Zufall, dass eine große amerikanische Kaffeekette jüngst einen "Unicorn Frappuccino" in ihr Angebot aufgenommen hat, während gleichzeitig vom Weißen Haus aus ein Präsidentendarsteller Dunkelheit verbreitet?“ – fragt Johanna Bruckner und gibt die Antwort gleich selbst. „Trump will eine Mauer bauen. Starbucks baut Türme aus pinkfarbenem Crushed Ice, Sahne und knallbunten Zuckerstreuseln.“ Die Rettung ist also nah.

Wussten Sie, dass die amerikanische Zeichentrickserie Die Simpsons schon im Jahr 2000 eine Präsidentschaft von Donald Trump prognostizierte? In der Folge wirft Bart Simpson einen Blick in die Zukunft und sieht, dass 2030 seine Schwester Lisa den Multimilliardär im Amt ablöst. Vom Angriff der Pink-Latte-Fraktion konnte Bart freilich noch nichts ahnen. Apropos Simpsons: In Kanada ist ein Ehepaar so begeistert von der Serie, dass es seine Küche genauso eingerichtet hat wie die Simpson-Familie. Leben wie im Comic. Für den stolzen Küchenbesitzer Joe Hamilton ist das keineswegs reines Fantum: „Wenn ich einen schlechten Tag habe, komme ich heim und schaue die Simpsons und ich bin wieder zehn Jahre alt und alles ist in Ordnung.“

China ist nicht gleich Wanne-Eickel

Die Simpsons-Küche ist ein wundervolles Beispiel dafür, welche Blüten die Individualisierung treibt. Das Haus, der Garten, die Kleidung, das Auto – alles ist heute Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Zumindest dort, wo der Lebensstandard es ermöglicht. Dieser extrem durchsetzungsfähige Trend zur Individualität bringt für Unternehmen neue Absatzmärkte mit sich. Auf der LIGNA, der Messe für Holzbe- und Verarbeitung, die wir im letzten Monat besuchten, etwa war Industrie 4.0 das Buzzword schlechthin. Der Grund dafür war nicht allein, dass die Unternehmen ihre Kosten senken wollen. Nein, sie streben die Produktion in Losgröße 1 an, damit jedem Kunden sein maßgeschneidertes Bauteil geliefert werden kann. Individualität bestimmt aber nicht nur die Produktion, sondern mindestens ebenso sehr Marketing und Vertrieb; auch im bis vor kurzen noch kollektivistisch geprägten China. Wie internationale Unternehmen ihre Produkte im chinesischen Markt an Mann und Frau bringen können, haben wir in der letzten Woche mit zwei Beiträgen beleuchtet: Da war zunächst ein Interview in der Horizont mit Bessie Lee, die bis vor kurzem als CEO von WPP China zu den wichtigsten Agenturmanagern im Reich der Mitte gehörte. Sie stellt fest, dass China zwar nicht zu den Kreativ-Nationen gehört, die bei den Cannes Lions Erfolge einfahren. Doch das sei auch kaum nötig: Die Chinesen lebten bereits in einer Kommunikationswelt, in der das Smartphone das Königsmedium sei. „Das stellt die Werbeagenturen vor eine ernsthafte Herausforderung, denn dadurch funktioniert das Storytelling der klassischen Werbung plötzlich nicht mehr. Die Unternehmen stellen fest, dass sie in diesen Kanälen ihre Kunden finden und dauerhaft binden müssen.“ Die Mobile-Kanäle, von denen Bessie Lee spricht, sind wiederum nicht identisch mit den europäischen. Facebook und Twitter spielen im Land der Mitte keine Rolle. Dort ist Wechat das mit Abstand wichtigste soziale Netzwerk: „768 Millionen Nutzer verwenden die App täglich – und das im Schnitt etwa 40 Minuten.“ Diese eindrucksvolle Zahl fanden wir in einem Artikel auf dem Digital-Portal t3n. Unter China-Experten, so steht dort geschrieben, gelte die App „aufgrund ihrer zahlreichen Einsatzmöglichkeiten als digitales Schweizer Taschenmesser“. Welche Sägen bzw. Zahnstocher man ausklappen muss, um seine Kunden zu erreichen, wird in dem Artikel sehr anschaulich erläutert. Ob man dank Wechat pinke Kaffeegetränke in China etablieren kann, darf trotzdem bezweifelt werden.

Wir wünschen Ihnen eine wache Woche mit viel Kaffee auf allen Kanälen! Möge die pinke Macht mit Ihnen sein.Ihr Team von GOOS COMMUNICATION