KW 24: Vorsicht Rasenmäher!

Unheimlich: Nachdem wir letzte Woche auf einen Artikel über Roboterautos verlinkten, hatten wir am Wochenende eine Begegnung der 3. Art mit einem Vertreter dieser Gattung. Zum Glück unbemannt! Und auch sonst haben wir uns für unsere Wochenendgestaltung (unbewusst?) vom Newsletter der letzten Woche inspirieren lassen – aber lesen Sie selbst.

Am letzten Samstag stand unser Team- und Strategiemeeting in einem Business-Resort in Kaltenkirchen an. Der Weg vom Hotelkomplex zu den Konferenzräumen führte durch einen kleinen Garten. Dort warnte ein Hinweisschild vor dem Rasenmäher. Ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht Rasenmäher“ mutet erstmal etwas kurios an: Würde hier gleich ein Rasenmäher mit 180 Sachen um die Ecke geschossen kommen – ohne Rücksicht auf Hotelgäste und Personal? Oder ist der Rasenmäher am Ende kein Gerät, sondern ein Mensch der durch jahrelange Arbeit mit schwerem Gartengerät nicht mehr ganz zurechnungsfähig ist? Nichts dergleichen: Am Abend entpuppte sich der Rasenmäher als knuffeliger Roboter. Ein kleiner Bruder von R2D2, der langsam und gewissenhaft seine Bahnen zog, und von dem allenfalls eine mittelgroße Stolpergefahr ausging. Wenn sich künstliche Intelligenz und Automatisierung in einem solchen Gerät vereinigen, müssen wir uns eigentlich keine Sorgen machen und können uns vielleicht zukünftig sogar das Haustier sparen. Dass wir keinesfalls nur zum Rasenmäher-Spotting in Kaltenkirchen weilten, steht auf einem anderen Blatt und wird beizeiten an anderer Stelle kommuniziert. Jetzt nur so viel: GOOS COMMUNICATION hat noch viel vor!

Und das gilt auch für Apple. Ein Link zur FAZ aus einem unserer letztwöchigen Newsletter ist nämlich der eigentliche Grund für die Rasenmäher-Anekdote. Der visionäre Computerhersteller, der wie kaum ein anderes Unternehmen für intelligente Zukunftsentwürfe steht, hat ein neues Steckenpferd: die Entwicklung von Roboterwagen-Technologie, beziehungsweise die Software für autonome Fahrzeuge. Dass es dabei um mehr geht, als um eine verkehrstaugliche Weiterentwicklung unseres kleinen Rasenmäherfreundes aus Kaltenkirchen ist klar. Sonst wäre Apple wohl kaum dabei: „Wir fokussieren uns auf autonome Systeme“, wird Apple-Chef Tim Cook im FAZ-Artikel zitiert. „Es ist eine Kerntechnologie, die wir als sehr wichtig betrachten.“ Es sei eine der größten Herausforderungen für künstliche Intelligenz. Und tatsächlich: Betrachtet man den Aufwand, der benötigt wird, um einen autonomen Rasenmäher auf den eigenen Garten zu programmieren, ist die Teilnahme am Straßenverkehr ungleich herausfordernder: Entscheidungen müssen schnell und akkurat gefällt werden. Es sind eine Vielzahl von Einflussfaktoren - Wetter, Ampeln, rational handelnde Verkehrsakteure wie andere Autofahrer oder erratische Teilnehmer wie Hunde und Kleinkinder - zu berücksichtigen. Das alles in einen kleinen Drahtkopf zu bekommen, ist durchaus eine Herausforderung. Ob es Intelligenz ist, ist allerdings eine Frage der Definition. Und das gilt für die gesamte Debatte zum Thema. Klar: Wikipedia „weiß“ mehr, als noch der schlaueste Mitarbeiter von GOOS COMMUNICATION. Ist Wikipedia deswegen intelligent? Entscheidungen zu fällen in Momenten, in denen es kein richtig und falsch gibt. Gefühle zu entwickeln. Erinnerungen zu haben. Freude zu empfinden. Oder Hass. Bis wir unseren Rasenmäherkumpel oder das Apple-Auto soweit haben, werden wohl noch ein paar Liter Wasser die Alster hinunterfließen – wenn es überhaupt jemals passieren wird.

Leistung = Arbeit / Wohlbefinden x Zeit

Natürlich waren wir nicht allein zur Roboterforschung in Kaltenkirchen – es ging darum, Zukunftspotenziale auszuloten und zu sehen, wo und wie wir noch besser werden können. Wie wichtig dabei die sogenannten „weichen“ Faktoren sind, zeigte ein Interview im Deutschlandfunk Kultur, auf das wir in der letzten Woche verlinkten. Die Präsidentin der Gesellschaft für Positive Psychologie, Michaela Brohm-Badry, erläutert darin das Konzept ihrer Disziplin. Für sie ist die Psychologie und insbesondere der Leistungsbegriff zu negativ gefasst. Gemeinhin versteht man Leistung als Arbeit durch Zeit. In dieser einfachen Formel fehlt das Wohlbefinden der Leistenden aber völlig. Ein Fehler, findet Michaela Brohm-Badry. In einer Gesellschaft, in der immer mehr Leistung verlangt würde, bringe diese Denkweise deutliche Folgen - und Folgekosten für Unternehmen und Gesellschaft - mit sich: „Eine hohe Burnout-Rate, eine hohe Psychopharmaka-Rate, eine hohe Personalfluktuation in den Unternehmen, einen hohen Krankenstand“. Sie plädiert für ein Umdenken: „Wenn Leistung definiert würde als Arbeit mal Wohlbefinden durch Zeit, dann würde man tatsächlich das Individuum in den Blick nehmen in den Organisationen. Und wir wissen aus der Forschung der positiven Psychologie, also der Positive-leadership-research-Ansätze, dass das tatsächlich auch lukrativer ist für die Organisationen. Die Organisationen blühen auf, wenn sie das Individuum in den Blick nehmen.“ Und hier zeigt sich auch, warum Unternehmen so scharf auf künstliche Intelligenz sind: Dem Roboterrasenmäher muss man nicht mit Wohlbefinden kommen. Dem Roboter-Texter auch nicht. Aber bis der soweit ist, solche Texte wie diesen hier zu schreiben, wollen wir unsere Arbeitsbedingungen doch möglichst angenehm gestalten. Man lebt schließlich nur einmal!

Wir wünschen Ihnen eine wundervolle Woche voller Wohlbefinden!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION