Standards für eine bessere Welt

Um die Standarte scharten sich früher die Kämpfer einer Armee. Im Laufe der Zeit wurde das französische Wort von den Engländern übernommen, mit einem „D“ am Ende und einer komplett anderen Bedeutung versehen. Für die globale Wirtschaft heute haben Standards enorme Bedeutung – und man kann nur hoffen, dass sie den nationalen Egoismen trotzen.

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Wer früher mit der Bahn von Frankreich nach Spanien fahren wollte, kann sich vielleicht erinnern: An der Grenze musste der Zug umgespurt werden. Das heißt: Er bekam ein anderes Fahrgestell, denn die Gleissysteme Spaniens und Frankreichs waren (und sind es teilweise immer noch) unterschiedlich. Mittlerweile hat Spanien für einige Züge auf den europäischen Standard umgerüstet. Mit der Folge, dass der Bahnverkehr reibungslos und ohne große Wartezeiten läuft. Für die unterschiedlichen Spurbreiten auf der Welt gibt es viele Gründe. Zunächst war der Bahnverkehr eh eine nationale Angelegenheit. Später kamen militärstrategische Erwägungen hinzu: Man wollte dem feindlichen Nachbarn die Nutzung der eigenen Schieneninfrastruktur erschweren. In Zeiten der globalen, wirtschaftlichen Verflechtungen merkte man dann, dass es sinnvoll ist, Standards zu entwickeln. So kann heute ein Zug Touristen und Waren vom russischen Murmansk bis zum portugiesischen Sagres transportieren – ohne Zeitverzögerungen und Komplikationen.

Wer setzt die Standards in der smarten Küche?

 Je vernetzter und internationaler die Wirtschaft, desto wichtiger werden Standards. Wo man das gerade besonders gut beobachten kann, ist die vernetzte Küche. Hinsichtlich der Features, die das Leben in der Küche vereinfachen können, haben viele Unternehmen schon viele gute Ideen entwickelt. Was fehlt, ist der Standard, mit denen sie gesteuert werden. Und der ist wichtig: Wenn ich sieben verschiedene Apps benötige, um sieben unterschiedliche Geräte in meiner Küche zu steuern, bleibe ich doch lieber bei der guten alten Analogküche. In unserem Link der Woche wird beschrieben, wie sich BSH auf den Weg macht, die entscheidenden Standards zu setzen. Nämlich gar nicht mal unsmart: BSH will „… Start-ups die Möglichkeit geben, ihre Ideen für die vernetzte Küche der Zukunft in kürzester Zeit umzusetzen …“ Dazu hat das Unternehmen den „BSH Future Home Accelerator powered by Techstars“ ins Leben gerufen. Durch Coaching und der Vermittlung von „Mentoren, Spezialisten und Investoren“ würden ausgewählte Start-ups unterstützt. Damit erhofft sich das Unternehmen neue, innovative Inhalte für sein Kommunikationsstandard Home Connect, der für die Marken Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff im Bereich der vernetzten Küche gilt. Ein schlauer Schachzug: Wenn Inhalte und einheitliche Bedienung zusammentreffen, werden Standards gesetzt, die sich dann auf dem Markt durchsetzen können – und denen die anderen Hersteller dann folgen müssen.

Noch besser wäre es allerdings, wenn ein übergreifendes Gremium die Standards setzen würde. So geschah es gerade in der Autoindustrie. Dort hat das Car Connectivity Consortium (CCC) mit dem Digital Key einen offenen Standard verabschiedet, der das Smartphone zum Autoschlüssel macht. Eine gemeinsame Entscheidung von über 80 Unternehmen wie Apple, Audi, BMW, Samsung oder Audi. Ihr Anliegen ist es, einer Marktfragmentierung Einhalt zu gebieten. Und das ist, gerade in der gegenwärtigen politischen Situation, in der Fragmentierung von einigen Ländern ja wieder als das Nonplusultra angesehen wird, geradezu progressiv.

Wir wünschen Ihnen eine schöne in 7 Tage fragmentierte Woche!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION