KW 27: Der Index ist nicht, was er scheint

Hamburg hat gerade intensive Tage hinter sich. Zurück bleiben viele Fragen. Und die Erkenntnis, dass nichts einfach ist: Weder die Themen, die auf dem G20-Gipfel besprochen wurden, noch die gesellschaftlichen Bruchlinien, die zu den massiven Protesten - und idiotischen Exzessen - geführt haben. Dass die Welt nicht schwarz-weiß ist, ist auch das Thema unseres Wochenrückblicks.

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Fangen wir mit „weiß“ an. Am Montag verlinkten wir in unserem Newsletter auf die GfK-Konsumklimastudie Juni 2017. Im Auftrag der EU-Kommission befragt GfK monatlich 2000 Verbraucher nach ihrer Konsumneigung. Die Ergebnisse setzen sich aus drei Teilkomponenten zusammen: den Einkommens- und Konsumerwartungen, der Anschaffungsneigung und den Erwartungen an die gesamtwirtschaftliche Situation. Im Juni konnte sich die Wirtschaft freuen. „Das Stimmungshoch bei den deutschen Verbrauchern hält auch im Juni dieses Jahres an“, so steht es in der verlinkten Zusammenfassung. Alle drei Teilkomponenten seien positiv bewertet wurden. Die Bundesbürger sähen die heimische Konjunktur auch zu Beginn des Sommers in exzellenter Verfassung. Dies belege der deutliche Anstieg der Konjunkturerwartung im Juni auf ein Drei-Jahres-Hoch. Die Einkommenserwartung lege moderat zu und klettere sogar auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Davon könne auch die Konsumneigung mit moderaten Zuwächsen profitieren. Hört sich doch gut an, oder? Ja, tut es. Doch leider driften Selbsteinschätzung der Konsumenten und Realität manchmal deutlich auseinander, wie beispielsweise dieser ältere Artikel aus dem Managermagazin nachweist. Da darf es schon als Teilerfolg gelten, dass der Anschaffungsneigung eine hohe Erklärungskraft für die deutschen Konsumausgaben zugesprochen wird.

Die Kehrseite der Medaille

Analog zur GfK-Studie beleuchtet der ifo-Index die Stimmung der anderen Seite, die der Unternehmen selbst also. Der ifo-Geschäftsklimaindex gilt laut Wikipedia als „weicher Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland“. Und wie die Konsumenten sehen auch Unternehmen Deutschland in Topverfassung. Der Index stieg im Juni von 114,6 auf 115,1 Punkte. Damit wurde der Rekordwert vom Vormonat überboten. So weit, so rosig. Wäre da nicht unser zweiter Link der Woche: Im Online-Wirtschaftsmagazin Makronom analysiert André Kühnlenz die Aussagekraft solcher Indizes – und zwar am Beispiel des ifo-Geschäftsklimaindexes. Um die Details seines Artikels zu verstehen, sollte man zwar den schwarzen Gürtel in Makroökonomie in der Schublade haben. Trotzdem lohnt die Lektüre. Für André Kühnlenz zeichnen die „weichen Daten“ ein viel zu „rosiges Bild vom Konjunkturverlauf“. Ihm geht es um das große Bild und in diesem sei „die deutsche Volkswirtschaft weit von einem Investitionsboom entfernt. Die Unternehmen investieren zwar in den Ausbau ihres Kapitalstocks (Maschinen, Anlagen, Geräte usw.) – sonst würden die Deutschen auch keinen Aufschwung erleben. Nur eben mit angezogener Handbremse.“ Man könne aus den Umfrageergebnissen nur wenige Rückschlüsse auf die tatsächlichen Wachstumsraten ziehen. Der Grund für das Auseinanderklaffen von Selbsteinschätzung und Realität: „Auch ein mickriger Aufschwung erreicht in seinem Lauf immer breitere Schichten von Managern und überhaupt in der Bevölkerung – wenn er denn nur lange genug dauert.“ So entstünden überoptimistische Stimmungsindikatoren. Was Kühnlenz allerdings nicht berücksichtigt: Grundloser Überoptimismus kann, genauso wie Pessimismus, gewissermaßen als self-fulfilling prophecy, tatsächliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung zeitigen.

Es ist also wieder mal alles ganz schön kompliziert. Wenn die Schwarz-Weiß-Dichotomie vielleicht auf dem Schachbrett gilt, aber nicht auf der Welt, sind wir wieder bei den Grautönen – und auf die sind wir Hamburger aus wettertechnischen Erfahrungswerten äußerst schlecht zu sprechen.

Wir wünschen Ihnen also eine sonnige, regenfreie und möglichst bunte Woche!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION