KW 31: Einmal hin und zurück

In Deutschland wird so viel gependelt wie noch nie. Doch welches Verkehrsmittel soll Mann / Frau zur Arbeit wählen, wenn der Weg für Fahrrad oder Spaziergang zu weit ist? Diesel mutiert zum Unwort des Jahres und so mancher Automat am Bahnsteig beharrt weiterhin stur darauf, ausschließlich 5-Euro-Scheine – knitterfrei und frisch gedruckt versteht sich von selbst – zu schlucken. Mehr zu Deutschlands Nachholbedarf in Automobilindustrie und Digitalisierung erfahren Sie in unserem heutigen Blogbeitrag.

Fehler werden eingeräumt, Lösungen anvisiert. Während bei den meisten Automobilherstellern eine ähnliche Grundstimmung herrscht, tanzt der VW-Chef aus der Reihe. So fragte sich vergangene Woche Faktenkontor, wer Matthias Müller auf den Diesel-Gipfel vorbereit hatte. Der VW-Chef lässt seine Ingenieure lieber an zukunftsfähiger Technologie arbeiten, als an Lösungen von Problemen bei Motoren, die vor Jahren ausgeliefert wurden. Vielleicht weiß VW so zumindest die nächste Lücke zu schließen, könnte diese Strategie doch zünden, wenn es um die mangelhafte Digitalisierung in der Bundesrepublik geht. Denn diese attestierte jüngst die Bertelsmann Stiftung. Mussten wir bereits vor einigen Monaten auf der Ligna 2017 zähneknirschend hinnehmen, dass der schöne Begriff der Industrie 4.0 ein rein deutscher ist, wird nun Deutschland auch offiziell als digitales Entwicklungsland deklariert.

Diesel-Skandal, Sicherheitsdiskussion nach G20 Gipfel, Deutschland nun auch noch digital hinten dran? Nein, zur Verteidigung bleibt zu sagen, dass laut Bertelsmann-Stiftung Digitalisierung weniger mit konkreter Technik zu tun hat, als mit grundsätzlichem Umdenken. Heißt also konkret, dass wir Digitalisierung können, nur nicht genug wollen. So fordert Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, dringend eine Gesamtstrategie für die Gestaltung der digitalen Transformation. Wie diese Strategie genau aussehen soll? Hier kann vielleicht Alain Veuve, AOE Switzerland - Managing Director Switzerland helfen:  Strategische Beratung ist, wenn es wehtut! Zugegeben, diese Äußerung passt nicht direkt zur Forderung von Frau Mohn, dass der Staat in Sachen Digitalisierung als Vorbild agieren und somit Angestellte des öffentlichen Dienstes nicht länger zu Betroffenen, sondern Mitgestaltern der Digitalisierung machen soll. Was Alain Veuve mit seiner Äußerung aber eigentlich meint, ist: Strategie bedeutet, Klartext mit dem Führungspersonal zu sprechen. Illusionen werden genommen, notwendige Rückschritte eingeleitet, hier und da auch ein paar Leichen im Keller entsorgt. Ein heikler, aber insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung von Unternehmen vielfach notwendiger Schritt.

Kein Weg zu weit?

Ok, dass wir in Sachen Digitalisierung offensichtlich noch Nachholbedarf haben, haben wir verstanden. Lässt sich damit vielleicht erklären, dass immer mehr hochqualifizierte IT-Fachmänner und Ingenieure aus aller Welt in unsere Städte strömen und die Mietpreise in schwindelerregende Höhen treiben? Diese Frage können wir hier sicher nicht abschließend klären. Fakt ist jedenfalls, dass wir eine gewisse Landflucht verzeichnen.  Die Zeit berichtet, dass Arbeitnehmer mehr denn je pendeln: Ganze 16,91 Kilometer legen Menschen im Schnitt von ihrem Zuhause zur Arbeit zurück. Und damit die Diesel-Fahrer unter ihnen in dieser brisanten Zeit nicht ihr Fahrzeug aus der Garage holen müssen und obendrein einen Beitrag zur Umwelt leisten, bietet die Rheinbahn im Raum Düsseldorf das sogenannte „Erste Hilfe-Ticket für Dieselfahrer“: Gegen Abgabe des Fahrzeugscheins erhalten Dieselfahrer das Monatsticket für August und September zum halben Preis. Darüber, ob das Ticket nur im Rheinbahn KundenCenter oder auch digital erhältlich ist, haben wir leider keine Auskunft. Dabei könnte alles so einfach sein: Wenn wir es schaffen, den Verkauf von Fahrkarten endlich zu digitalisieren – natürlich auch die Netze weiter auszubauen – und damit den Menschen eine echte Alternative zum Auto bieten, vielleicht bleiben dann die Landliebhaber auf dem Land wohnen und die Städter behalten ihren Wohnraum für sich. Die Konsequenz: Mehr Wohnraum für alle, weniger Pendler, weniger CO-Ausstoß und und und…

Spekulationen über Spekulationen, die aber auf jeden Fall eines ganz deutlich zeigen: Dass wir vieles wollen, nur manchmal ähnlich den Betroffenen in der Automobilindustrie und Digitalisierung nicht genau wissen, welcher Weg der Beste ist. Wie es scheint, ist in diesem Fall eine strategische Beratung genau das richtige – auch wenn´s weh tut.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne und wenn nötig auch mal schmerzhafte Woche,

Ihr Team von GOOS COMMUNICATION