Bitte nur gucken, nicht kaufen & Nachhaltigkeit mit gelbblauem Anstrich

Wir geben zu: Regelmäßige Leser dieses Blogs haben heute ein Mini-Déjà-vu. Allerdings nur, wenn Sie sich an die Themen von vergangener Woche erinnern können. Auch heute beschäftigt sich unser Beitrag mit stationärem Handel und E-Commerce. Und auch der Möbelriese Ikea ist wieder mit von der Partie. Aber warum die Wiederholung? Ganz einfach: Zu beidem gab es Entwicklungen, über die wir sprechen sollten.

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Sie alle kennen das Phänomen. Sie alle haben es schon getan, auch, wenn sie keinen Namen dafür haben. Das wollen wir jetzt ändern und schenken der Welt ein neues Wort: Showrooming. Nun fragen Sie zu Recht: „Und wofür genau soll das jetzt stehen?“ Showrooming ist nicht etwa ein neuer Einrichtungsstil, sondern die Bezeichnung für die Art und Weise wie viele von uns Einkaufen. Wir schauen uns beispielsweise Fahrradhelme im Geschäft an, setzen sie auf und prüfen, welcher gut passt. Dabei lassen wir uns im Zweifel noch kompetent beraten. Aber anschließend gehen wir nach Hause, um genau das gleiche Modell online für 10% günstiger und per Express nach Hause zu bestellen. Das Fahrradgeschäft, in dem wir uns haben beraten lassen, war für uns damit nicht viel mehr als ein Showroom – inklusive Beratung. Und genau darum ging es auch in dem Artikel von brandeins aus unserem Newsletter. Der Artikel beschreibt, dass Showrooming für den stationären Handel ein rotes Tuch ist: Die Kunden kaufen nicht mehr im Geschäft, sondern nur online. Dass die Kunden aber auch gar nicht mehr im Geschäft kaufen sollen, das ist das Konzept des im Artikel beschriebenen Start-ups B8ta und thematisiert damit vielleicht ein Zukunftsmodell für den Einzelhandel. Das Geschäft von B8ta basiert darauf, dass sie ihre Geschäfte tatsächlich „nur“ noch als Showroom zur Verfügung stellen. Das heißt, B8ta verkauft seinen Kunden in den Ladengeschäften eine Ausstellfläche, auf dem dieser sein Produkt dem Endkunden präsentieren kann und bietet im Umkehrschluss gleichzeitig jede Menge Daten für den Hersteller an. Denn: Es geht in den Geschäften von B8ta nicht darum, dass die Kunden direkt etwas kaufen, sondern viel mehr ums Anfassen, Ausprobieren und Informieren. Damit man sich über die Produkte wie Lautsprecher oder Zahnbürsten informieren kann, liegt neben jedem Ausstellungsstück ein Tablet. Darüber hinaus gibt es auch Personal, das beratend aber nicht verkaufend zur Seite steht. Das Ziel ist es, dass B8ta dem Hersteller Daten über das Verhalten des Kunden mit dem Produkt liefern kann – so könne der Hersteller ablesen, wie seine Produkte ankommen und wo man evtl. nachsteuern muss. Aus dem klassischen Point of Sale werde im Showroom-Modell also der Point of Touch. Das Modell von B8ta zeigt wie man den On- und Offline-Handel neu denken – und auch verbinden – kann. Damit ist es ein Modell, das auch für die Möbel- und Küchenbranche interessant sein könnte – vielleicht sogar in Verbindung mit dem Tipp „Einkaufen im stationären Handel als Erlebnis gestalten“ aus unserem ersten Blogbeitrag 2018. Ob das Modell des amerikanischen Start-ups wirklich ein Zukunftsmodell ist, wird sich zeigen.

Zukunftsfähiges Nachhaltigkeitsmodell oder Marketingstrategie?

 Am letzten Montag haben wir bereits in unserem GOOSsip-Newsletter darauf verlinkt – und ab Dienstag war es das Medienthema schlechthin: Ikea startet Testphase zum Rückkauf gebrauchter Möbel. Nachdem Ikea nun also auch in Indien Fuß gefasst hat, probiert der schwedische Möbelriese in Deutschland etwas Neues aus: Kunden können in einer ersten Testphase in ausgewählten Ikea-Filialen in Deutschland gebrauchte Möbelstücke wieder an Ikea zurückverkaufen. Ikea bietet diese Möbel dann in der Fundgrube zum Verkauf an und der Kunde erhält für sein verkauftes Möbelstück einen Warengutschein. So viel zu den Fakten des neuen Modells. Warum das alles? Laut Ikea soll das Modell der Nachhaltigkeit dienen und Ressourcen schonen. Erste Stimmen von Non-Profit-Organisationen äußerten letzte Woche aber auch direkt erste Bedenken, dass mit dem Gutschein mehr der Verkauf in den gelbblauen Möbelhäusern angeregt werden solle. Wie beim Modell „Showroom“ gilt auch bei diesem Thema: Erst die Zukunft wird zeigen, ob es sich wirklich um zukunftsfähige Nachhaltigkeit oder um eine reine Marketingstrategie handelt.

Wir wünschen Ihnen eine visionäre Woche – ohne weitere Déjà-vu-Erlebnisse!

Ihr Team von GOOS COMMUNICATION

PS: Sie wollen Ihre Meinung zu Ikea los werden? Dann nehmen Sie bis heute Abend noch an unserer Umfrage auf Facebook teil.