KW 33: Mit Holz die Welt retten

„Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.“ Dieser Ausspruch stammt vom Aphorismus-Experten Georg Christoph Lichtenberg. Und das Tolle ist: Er funktioniert auch andersrum. Bei der Wohnungseinrichtung zum Beispiel. Neue Möbel kaufen, in die Wohnung transportieren, Neues sehen. So war es zumindest früher …

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Als vor rund einem Jahr Millionen Menschen auf ihre Mobiltelefone blickend durch die Landschaft liefen, um seltsame bunte Wesen mit komischen Namen zu fangen, war „Augmented Reality“ in aller Munde. Mit Pokémon Go hatte Nintendo die erste Massenanwendung für eine „erweiterte Realität“ geschaffen. Darum geht es nämlich bei der „Augmented Reality“: um eine Erweiterung dessen, was wir um uns haben, sehen und fühlen können, nicht um eine künstliche, algorithmisch geschaffene Welt wie bei der „Virtual Reality“. Die Diskussion drehte sich natürlich auch darum, wie man mit dieser Entwicklung Geld verdienen kann. Für die Einrichtungsbranche ist diese Frage recht einfach zu beantworten, wie unser erster Link der Woche zeigt. Die Neue Osnabrücker Zeitung erläutert, dass Möbelhäuser mithilfe ihren Service mithilfe von AR recht einfach verbessern können. Mit Apps nämlich, mit denen man neue Möbel virtuell in der zukünftigen Wohnung platzieren und sich den Besuch im Möbelhaus erstmal sparen könne. Um noch einmal auf Lichtenberg zurückzukommen: So sieht man etwas Neues, bevor man etwas Neues macht (das Möbelstück tatsächlich kaufen und ins Wohnzimmer stellen). IKEA plane gerade gemeinsam mit Apple eine neue App, zahlreiche kleinere Unternehmen hätten bereits eine. Allerdings seien diese technisch oftmals noch nicht ganz ausgereift. Da stimmten die Proportionen nicht, da wackele und ruckele der neue Schrank. Das Fazit der NOZ: „Ganz so schnell dürfte der samstägliche Ausflug zum Einkaufen also nicht der Vergangenheit angehören. Vielleicht aber lassen sich in Zukunft einige hitzige Diskussion schon vor dem Besuch im Möbelhaus klären - ganz gemütlich vom Sofa aus.“

Alter Rohstoff, neu entdeckt

Hitzige Diskussionen entstehen immer dort, wo komplexe Krisen zu lösen sind. Dementsprechend werden die Rezepte für den Umgang mit der Klimakrise oder mit dem Wohnungsmangel mit einer Leidenschaft diskutiert, die der um den samstäglichen Besuch oder Nicht-Besuch im Möbelhaus in nichts nachsteht. Die FAZ brachte in der letzten Woche einen spannenden Artikel, der sich darum drehte, wie Holz als Rohstoff zur Lösung beider Probleme beitragen könne. Im Wohnungsbau, so schreibt Anna-Lena Niemann, gelte „der Baustoff längst als ökologischer Hoffnungsträger“. Nun solle der Holzbau nicht nur den Wohnungs-, sondern auch den Hochbau erobern: „Da ist der ‚Oakwood Tower‘, der aus Londons Barbican Centre emporwachsen soll und mit seinen 300 Metern nicht nur das höchste Holzhaus, sondern auch das zweithöchste Gebäude Londons wäre. Und dann verspricht der Entwurf des ‚River Beech Tower‘ in Chicago ein ebenso beachtliches Vorhaben.“ Mit einem stärkeren Fokus auf den nachwachsenden Rohstoff würde ein Dilemma gelöst. Einerseits müsse nämlich immer mehr gebaut werden, um die Nachfrage zu decken. Gleichzeitig sei das Bauwesen für „etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs und mehr als ein Drittel der gesamten Kohlendioxidemissionen verantwortlich“. Mit einer Architektur, die statt Stahl, Stein und Beton wieder stärker Holz in den Fokus nimmt, würden diese Effekte gemindert. Denn Holz sei einer der größten Kohlenstoffspeicher. Die Verwendung von Holz im Bauwesen würde die Speicherkapazitäten noch erweitern, so Anna-Lena Niemann. Ihr Artikel zeigt auch, dass es auf dem Weg zu einer nachhaltigen Holzkultur noch einige Hindernisse und Anforderungen gibt, doch die Perspektive ist da.

Natürlich sollte man nun nicht losrennen und alle Wälder abholzen, um die Klima- und Wohnungskrisen der Welt zu bewältigen. Das ist angesichts einer durchdachten Forstwirtschaft aber auch gar nicht nötig: Auf der LIGNA erklärte uns ein Mitarbeiter des Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, dass die jährlich nachwachsenden Bäume ausreichen würden, um sämtliche Neubauten in Holz zu bauen – dafür müssten allerdings andere, weniger sinnvolle Nutzungen wie das unmittelbare Verbrennen oder Papiererzeugnisse eingeschränkt werden. Apropos sinnvolle Verwendung: Eine herzlich wenig sinnvoller Gebrauch unseres Rohstoffs der Woche ist das massenhafte Ausdrucken von unwichtigen E-Mails oder anderem Kram. Es muss ja nicht gleich das papierlose Büro sein – aber das Holz, das t3n mit dem Artikel „Das Internet zum Ausdrucken: 6 Dienste für Facebook, Instagram und Whatsapp“ auf dem Gewissen hat, hätte man doch lieber für ein paar neue Wohnungen verwenden sollen.

Wir wünschen Ihnen eine waldige Woche,

Ihr Team von GOOS COMMUNICATION