KW 36: Es funkt zwischen den Geräten

„Sagt die Waschmaschine zum Kühlschrank …“ – was der Beginn eines klassischen Maschinenwitzes sein könnte, ist in Wahrheit der Start einer neuen Erfolgsgeschichte der Elektronikbranche: der Kommunikation unter den Geräten. Die Umsätze des deutschen Smart-Home-Markts sollen sich nach einer Studie bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro verdreifachen. Auf der IFA 2017 stand das Thema einmal mehr im Mittelpunkt.

Smart Home, Connectivity, Internet of Things – seit ein paar Jahren gilt die Verlängerung der Informationstechnologie ins tägliche Leben als ein großer Wachstumsmarkt. Das bestätigt auch eine neue Studie, die der eco-Verband der Internetwirtschaft gemeinsam mit Arthur D. Little (ADL) zum Start der IFA veröffentlichte. Mit einem Wachstum von durchschnittlich 26,4 Prozent soll sich der Branchenumsatz bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro verdreifacht haben. Mit dieser Studie leitet Jürgen Hill von der Computerwoche seinen Rückblick auf die diesjährige IFA ein, die wie jedes Jahr die Neuheiten der Unterhaltungselektronik-Branche auf dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm bündelte. Sein Eindruck: Das Smart Home war nach wie vor das Mega-Trendthema. „Das Smart Home geht auf der IFA 2017 in die zweite Runde: Nach den Apps zur Steuerung, steht jetzt die KI-gestützte Steuerung aus der Cloud auf dem Programm. Vom Saugroboter bis zum Herd kennt die Connectivity kaum noch Grenzen.“ Was er dann in der Folge aufzählt, ist für alle, die sich mit dem Thema schon länger beschäftigen nicht wirklich neu. Vor allem die Probleme, die die Vernetzung von Geräten mit sich bringt, sind lange bekannt. Die Datensicherheit zum Beispiel. Oder die Beständigkeit der Lösungen, die mehr und mehr in die Cloud verlagert würden: „Sollte ein Hersteller nämlich nach zwei bis drei Jahren feststellen, dass sich seine Smart-Home-Angebot nicht rechnet und den Cloud-Service einstellen, dann sitzt der Endkunde womöglich auf teurem Elektronikschrott.“ Der entscheidende Punkt sei aber das Fehlen von Aggregatoren, also von Diensten, die die unterschiedlichen Plattformen miteinander verbinden. Es gebe mit ZigBee und Z-Wave zwar Funkprotokolle, die sich als Standards für die Kommunikation der Geräte untereinander durchsetzen würden. Daneben gebe es jedoch eine Reihe von Herstellern, die ihr eigenes Süppchen köchelten.

Worüber Geräte miteinander sprechen

 „Die Vorstellung, dass etwa der intelligente Kühlschrank von Samsung die Waschmaschine von Siemens steuert und gleichzeitig der IoT-Klimaanlage von LG Anweisungen erteilt bleibt vorerst eine Wunschvorstellung.“ Auch wenn sich dem Laien auf den ersten Blick nicht erschließt, was der Kühlschrank von Samsung der Waschmaschine von Siemens zu sagen hätte, ist klar, dass Standards notwendig sind – man stelle sich ein Internet vor, in dem statt HTML jeder seine eigene Sprache sprechen würde. Und es bedarf keines Propheten, um zu sagen, dass sie kommen werden.

Der Artikel von Jürgen Hill bietet ansonsten einen guten Überblick über den Stand, auf dem sich die verschiedenen Hersteller befinden – und hat darüber hinaus noch ein paar Produkthighlights, wie den Hand-Scanner X-Spect, im Blick. Seine Sensoren geben „beispielsweise Auskunft über den Reifegrad von Obst und die Frische von Eiern“. Und sie können bei der Wäschepflege helfen: „Das Gerät erkennt, wie es heißt, Flecken aufgrund ihrer Zusammensetzung, ebenso wie Textilarten und Farben und gibt Empfehlungen zum richtigen Wasch-, Trocken- und Bügelprogramm.“ Für uns hört sich das gut an, für das Dear Magazin eher weniger: In der Bildergalerie, in der Claudia Simone Hoff die Tops und Flops der diesjährige IFA vorstellt, wird der X-Spect als „überflüssiges Produkt“ bezeichnet und die Frage gestellt: „Wer braucht denn sowas?“ Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Wer Wäsche wäscht zum Beispiel. Bis auf diese kleine Differenz vermittelt die Bildergalerie aber allen Daheimgebliebenen einen guten Eindruck von dem, was die IFA auch in diesem Jahr wieder zu einer spannenden Veranstaltung gemacht hat. Das Thema Connectivity wird darin allerdings ganz anders beurteilt als in der Computerwoche: Man habe erleben können, dass „das allgegenwärtige Thema Connectivity bereits einen Gegentrend produziert, denn: Das Analoge ist zurück. Dazu passt, dass immer mehr technische Geräte aktuellen Interiortrends folgen und ausgesprochen wohnlich aussehen.“ Hier zeigt sich wieder in aller Deutlichkeit, dass vier Augen eben nicht nur mehr sehen als zwei, sondern auch sehr Unterschiedliches.

Wollen Sie den Witz vom Anfang noch zu Ende hören? Gut, selbst schuld: Sagt die Waschmaschine zum Kühlschrank: „Ist Dir auch so langweilig?“ Antwortet der Kühlschrank: „Ja, lass uns mal den Mixer anfunken. Der macht immer ordentlich Wirbel.“ Darauf der Mixer: „Ich bin doch keine Unterhaltungselektronik!“

Wir wünschen Ihnen eine witzigere Woche (dürfte nicht schwierig sein)
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION