KW 4: Der rosig gepuderte Alltag

Monotonie, Wiederholung, Langeweile – was wir mit dem Begriff „Alltag“ verbinden, ist eher negativ. In ihrem imm-Rückblick versucht die Online-Plattform Stylepark, dem Begriff einen positiveren Aspekt abzugewinnen. Ob sie damit erfolgreich ist, erzählen wir in unserem Wochenrückblick. 

Die mittlerweile aufgelöste Hamburger Band „Blumfeld“ war nicht gerade für ihren Konformismus bekannt. In ihrem Song „Kommst du mit in den Alltag?“ geht es um die Schwierigkeit, den Zwängen des normalen Lebens zu entkommen. Dem Alltag halt. Genau diesen Song zitiert Stylepark in seinem imm-Messerücklick – und versucht dabei, dem Alltag einen deutlich positiveren Aspekt abzugewinnen als Blumfeld oder auch Wikipedia. Auch dort genießt der Alltag nämlich keinen besonders guten Ruf. Definiert wird er als die „gewohnheitsmäßige(n) Abläufe bei zivilisierten Menschen im Tages- und Wochenzyklus“. Diese seien geprägt von sich wiederholenden Mustern von Arbeit, Konsum, Schlaf, Körperpflege und all den anderen Dingen, die wir so treiben, wenn wir nicht gerade im Urlaub sind oder einen Feiertag begehen. Nichtsdestotrotz ist Alltagstauglichkeit für Stylepark einer der gemeinsamen Nenner der vielfältigen Messeauftritte: „Fröhliche Normalität statt aufgeregter Sensationsmacherei“ habe man in Köln gesehen: „Unverkennbar ist jedenfalls, dass eine gewisse Entschleunigung und Normalität eingekehrt ist, dass nach Jahren der Neuausrichtung eher Beständigkeit und evolutionäre Weiterentwicklung im Mittelpunkt stehen – Alltag im besten Sinne.“ Diesen Alltag findet Stylepark zum Beispiel im von Lucie Koldova gestalteten „Das Haus“. „Einen schönen Effekt erzielte die Designerin mit den mittels Lichtsteuerung auf- und abblendenden bunten Lichtkugeln im Spa-Raum, die ein wenig an perlende Regentropfen erinnern.“ Kontinuität habe das Bild bestimmt – auch auf Ausstellerseite, wo man auf bewährte Formen setzte und auch hinsichtlich der Farben nicht viel Neues wagte: „das bereits bei der vergangenen imm dominante Spektrum der Rosa- und Pudertöne (bleibt) allgegenwärtig, gern in Verbindung mit Kontrasten in Terrakotta oder Ochsenblut.“

Und was passierte im echten Leben?

 Pudertöne im Kontrast mit Ochsenblut, bunte Lichtkugeln wie perlende Regentropfen – die Beispiele von Stylepark hören sich dann doch nicht wirklich alltäglich an. Aber gleicht die Einrichtungsbranche hier nicht der Mode? Die Einzelanfertigung, die Haute Couture ist für die Show. Das tägliche Geschäft wird ganz anders gemacht. Die großen Entwürfe werden vielleicht teilweise zu Alltagsgegenständen, meist aber bleiben sie eben doch Hingucker für den Augenblick, denen die meisten Menschen nicht täglich im Wohn- oder Esszimmer begegnen wollen. Apropos Alltag: Jetzt, wo sich Messekater und Neujahrsaufregung langsam gelegt haben, ist auch wieder Platz für die normalen Meldungen in unserem Newsletter. Erfreulich sind da zum Beispiel die guten Nachrichten aus dem Hause Allmilmö. Wie schon Alno tauchte das Zeiler Unternehmen in der Rubrik „Totgeglaubte leben länger“ auf: „Auf dem Gelände von ‚Allmilmö‘ werden wieder Küchen hergestellt“, meldet infranken.de. Im Oktober 2017 sei die Produktion von Küchenmöbeln wieder aufgenommen worden. Einige hundert Küchen seien bereits ausgeliefert worden – dem Vernehmen nach wieder unter dem Dach der La-Cour-Gruppe, die Allmilmö bis zur Insolvenz betrieb.

Gute Nachrichten also aus Franken. Jetzt muss sich nur noch der Möbelhandel ins Zeug legen. Denn mit dem sind vor allem die sogenannten „Smart Consumer“ nicht zufrieden, wie eine KMPG/IFH-Studie feststellt. „Geschäfte aufmöbeln und Beratung verbessern“ heißt die Conclusio aus der Befragung – vielleicht helfen hier ja ein paar perlende Regentropfen mit rosigem Ochsenblut?

Wir wünschen Ihnen einen abwechslungsreichen Alltag voller fröhlicher Normalität!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION