KW 40: Leben in Zonen

Die einzelnen Funktionsbereiche des Wohnens wachsen zusammen. Das ist nicht neu. Ein plausibles Modell für diesen Trend zeigt die aktuelle Ausgabe von „Das Haus“. 

  Foto: Koelnmesse

Foto: Koelnmesse

Viele Trends kommen und gehen, ohne größere Spuren in der Menschheitsgeschichte zu hinterlassen. Mit etwas Glück haben sie kurzfristig den Umsatz einer bestimmten Branche angekurbelt. Manchmal weiß man erst hinterher, dass ein Trend eine reine Modeerscheinung war. Und manchmal erkennt man erst mit der Zeit, welcher Trend tatsächlich ein Bedürfnis unserer Gesellschaft bedient. Betrachtet man die seit langem diskutierte Frage, inwieweit die einzelnen Bereiche der Wohnung zusammenwachsen, fragt man sich manchmal, was das mit dem eigenen Leben zu tun haben soll. Für großzügige Raumkonzepte mit offenen Wohnküchen oder Schlafbereichen mit integrierten Nasszonen fehlt es den meisten Menschen nicht nur im urbanen Raum an Geld sondern vor allem an Platz. Trotzdem hält sich der Trend – und in zwei Links aus unseren Newslettern der letzten Woche zeigt sich auch warum.

Dem Konzept traditioneller Raumfolgen stellt Bracher eine Vision
unterschiedlicher Zonen gegenüber

Für die sechste Ausgabe von „Das Haus“, das Design-Event der internationalen Einrichtungsmesse imm cologne gewonnen. Bei seinem Entwurf stellt Bracher dem traditionellen Konzept 3-Zimmer-Küche-Diele-Bad, ja überhaupt dem Konzept traditioneller Raumfolgen, eine Vision ineinander übergehender Zonen gegenüber: eine der Versorgung, eine der Erholung und eine der Hygiene. Das ist nicht neu, interessant wird es aber, wenn man weiß, wie Todd Bracher arbeitet. In einem Interview erläutert der 41-Jährige, was seine Lieblingsphase im Designprozess ist: „Die Recherche. Sie erhellt die Welt um uns herum. Jede Lösung hat ihr eigenes Szenario, das die Ergebnisse bestimmt.“ Gespräche mit Experten wie Physikern oder anderen Wissenschaftlern sind für seine Entwürfe entscheidend, nicht kurzfristige Trends oder Modeerscheinungen.

Mit wem er gesprochen hat, um auf seinen Entwurf für „Das Haus“ zu kommen, wissen wir nicht. Eine mögliche Gesprächspartnerin wäre die Soziologin Christine de Panafieu gewesen. Ein Interview mit ihr, in dem sie ihren Blick auf das Leben in 25 Jahren erläutert, erschien in der letzten Woche im Handelsblatt. Neben vielen interessanten, mal mehr, mal weniger positiven Ausblicken auf die Zukunft bestätigt auch sie, dass das Wohnen sich verändern und durch die neuen Nutzungsarten öffnen wird: „In unseren Städten wird es ganz neue Wohn- und Arbeitsformen geben. Neben vielen Single-Apartments gibt es Häuser für Patchwork-Familien, aber auch WGs von Gleichgesinnten. Immer mehr Menschen wohnen in solchen ‚Kommunen‘ – egal in welchem Alter. Dort gibt es private Rückzugsorte, aber auch Gemeinschaftsräume, in denen man zusammen kocht, isst und sich trifft.“

Das Zusammenwachsen von Wohnen, Kochen, Schlafen oder Hygiene wird uns also noch eine Weile begleiten. Falls wir uns irren sollten, können Sie sich gerne in 25 Jahren beschweren.

Eine wohl zonierte neue Woche wünscht:
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION