KW 44: Wie man herabfallenden Schwertern ausweicht

Wenn ein Hase in Gefahr ist, schlägt er Haken. Unternehmen, die ihre Felle davonschwimmen sehen, machen etwas Ähnliches: Sie stoßen Veränderungsprozesse an. Aber während der Hase nur seine Hinterläufe mitnehmen muss, ist es im Unternehmen der gesamte Mitarbeiterstamm. Das ist manchmal nicht einfach.

Ist es nicht schrecklich? Alles läuft super. Die Zahlen stimmen. Die Kunden sind zufrieden. Und trotzdem hängt die Angst vor dem Ende des Erfolges wie das Damoklesschwert über jedem Unternehmen, eigentlich sogar über jedem Menschen. Der Legende nach soll Damokles ein Bediensteter des Königs von Syrakus gewesen sein, der seinen Herrn ein bisschen zu sehr für dessen Reichtum und Macht bewunderte. Eines Tages ließ der König Damokles auf seinem Thron sitzen, hängte aber vorher ein Schwert über den Thron, das mit nur einem Pferdehaar befestigt war. Die Moral von der Geschichte: Es kann jederzeit vorbei sein mit Macht und Reichtum. Oder mit dem Erfolg des Unternehmens. Vielleicht nicht, weil irgendwas von der Decke fällt (im ungünstigsten Fall ein Schwert). Doch in jeder Branche gibt es genug Bedrohungen – und sei es nur die Konkurrenz. Und weil der Mensch nun mal ist, wie er ist, sucht er natürlich nach Auswegen aus dieser Angst. Die einen stecken den Kopf in den Sand. Die anderen versuchen es mit Veränderung. Das Wort „Change“ steht für Wettbewerbsfähigkeit, neue Absatzmärkte, neue Möglichkeiten. Das sieht auch der Autor unseres Links der Woche so: „Veränderungen sind für unsere Unternehmen zur Daueraufgabe geworden. Der Grund: Ohne Veränderung gibt es keinen Erfolg, kein Wachstum, keine Weiterentwicklung.“ So leitet Prof. Dr. Dirk Lippold von der Humboldt-Universität seinen kompakten Beitrag zu den Erfolgsfaktoren von Changeprozessen ein. Denn einfach nur mal ein bisschen verändern, reicht natürlich nicht. Oder wie es im Text steht: „… Veränderung (ist) lediglich Voraussetzung, aber nicht Garant für den Erfolg.“ Wie man einen Veränderungsprozess initiiert, wie man es schafft, ihn erfolgreich und zielführend umzusetzen und – am wichtigsten – wie man die Mitarbeiter mitnimmt, all das skizziert Dirk Lippold in seinem LinkedIn-Beitrag und bietet damit Einsteigern ins Veränderungsbusiness einige gute erste Impulse. Zum Beispiel erfährt man, dass in jedem Unternehmen Promotoren und Opponenten vorhanden sind, auf der einen Seite Mitarbeiter, die Veränderungen fördern, und auf der anderen Seite die Bremser und Skeptiker, die meistens in der Mehrzahl sind. Durch eine geschickte Zusammensetzung von Teams und durch Information sei es möglich, den Mitarbeiterstamm bei Veränderungen mitzunehmen.

Veränderungen – kannst nicht mit, kannst nicht ohne sie

 Ob man zu den Promotoren oder zu den Opponenten gehört – dass Veränderungen von Zeit zu Zeit notwendig sind, wird wohl keine Seite bestreiten. Gerade in der Möbelbranche gibt es da Einiges zu tun, wenn man Sebastian Deppe Glauben schenkt: „Wir haben eine Sättigung erreicht“, sagt der Branchenexperte im Interview mit dem Handelsjournal. „Gar nicht so sehr aus reiner Bedarfssicht, sondern vielmehr aus psychologischer Sicht. Das Möbel hat an Attraktivität und Emotionalität verloren. Wir beobachten seit Jahren ein Trading down. Dies hat sicher auch mit der preisorientierten Vermarktung fast aller Beteiligten inklusive der kleineren Anbieter zu tun.“ Der Teilbereich Küche bilde aus mehreren Gründen eine „gewisse Ausnahme“, was die anhaltend gute Entwicklung in diesem Segment zeige. Doch wenn man sich die Zahlen so anschaut, könnte die Küchenbranche ebenfalls ins Schlingern geraten. Besonders der Inlandsmarkt entwickelt sich längst nicht so dynamisch, wie man es in den letzten Jahren gewohnt war. Was also tun? Das ist zumindest leicht gesagt: Wenn sich die Branche auf die eigenen Stärken besinnt, ist viel gewonnen. Kunden werden immer noch mit Qualität, Innovation, Beratung, Vielseitigkeit, Individualität überzeugt. Gleichzeitig steht der Branche Veränderung bevor. Wo holt man die Kunden ab? Wie begleitet man die Kunden über den gesamten Prozess? Wie sieht die After-Sales-Kundenbindung aus? Küchenstudios ebenso wie die Hersteller haben hier noch eine Menge Möglichkeiten, besser zu werden. Zum Beispiel mit neuen Präsentationsmethoden, wie das Stilwerk in Hamburg vormacht. Das Designzentrum am Hamburger Hafen hat eine Virtual-Reality-Lounge eröffnet, mit der Architekten und Inneneinrichter ihren Kunden virtuelle Begehungen ihrer Häuser anbieten können. Eine Topidee, die für die Möbelbranche hochinteressant sein könnte – und die, um den Opponenten den Wind aus den Segeln zu nehmen, die klassische Beratung nicht ersetzen wird, sondern hervorragend flankieren kann.

Wir wünschen Ihnen eine Woche voller maßvoller Veränderung
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION