KW 45: Blackbox Trump

Die letzte Woche stand voll und ganz im Zeichen der US-Wahlen – und auch wir hatten ein paar Links zum Thema im Newsletter 

 Quelle:  Marco Verch

Quelle: Marco Verch

Die Wettquoten der englischen Buchmacher waren eindeutig. 3:1 für Hillary stand es noch kurz vor den Wahlen, die die Welt am letzten Dienstag in eine Art Schockstarre versetzten. Mit dem unerwarteten Ausgang des unsäglichen Wahlkampfs hätten Menschen mit Zocker-Gen viel Geld verdienen können – welche Folgen die Amtszeit des Geschäftsmanns allerdings für Wirtschaft und Politik haben wird, weiß zurzeit niemand. Seinen Wahlkampf gewann Trump mit schrillen Tönen und purem Populismus: Mauer an der mexikanischen Grenze, America-First-Protektionismus, Rücknahme aller Errungenschaften der Obama-Ära. Kurz nach der Wahl war er aber schon wieder dabei, einige Punkte zu relativieren: Obamacare, die mühsam durchgesetzte flächendeckende Krankenversicherung, werde wohl doch nicht abgeschafft. Was also sind populistische Wahlkampfaussagen und was ist Programm? Mit einer stärkeren Abschottung des nordamerikanischen Marktes wird wohl zu rechnen sein. Dr. Bernhard Dirr, Geschäftsführer des Fachverbandes  Holzbearbeitungsmaschinen im VDMA erklärte gegenüber der „möbelfertigung“, dass er zwar kurzfristig keine negativen Auswirkungen sehe, sich aber mittel- und langfristig schon Sorgen mache: „Falls Trump wirklich einen Kurs des Protektionismus fährt, dann wird uns das sicher treffen. Und ein schwächerer Dollar würde unsere Exporte zusätzlich belasten.“ Die Währungskurse reagierten dann auch unmittelbar: Wie erwartet, fiel der Dollar mit der Wahl Trumps, machte aber wieder Punkte gut, als der sich im ersten Interview nach der Wahl erstaunlich versöhnlich zeige. Es bleibt also dabei: Die Blackbox Trump muss erstmal Nägel mit Köpfen machen, bevor die Folgen für die Weltwirtschaft abzuschätzen sind.

Die mediale „Emotionalisierung der Politik“

Die Folgen für die Wirtschaft sind allerdings nur ein Problem der US-Wahl. Das andere: Mit Donald Trump hat das wichtigste Land der Welt nun einen Präsidenten, der offen antidemokratische, rassistische und sexistische Äußerungen getätigt hat. Das hat ihm nicht geschadet. Zu frustriert waren große Teile der amerikanischen (vor allem weißen) Mittel- und Arbeiterklasse. Ihre Abkehr vom politischen Establishment ließ sich nicht davon aufhalten, dass Donald Trump ein politischer Anfänger ist, der mit seinen cholerischen nächtlichen Twitter-Attacken nicht gerade wirkt, als sei er in Stresssituationen voll zurechnungsfähig. Es geht also an die Ursachenforschung – zumal Donald Trump bei weitem nicht der einzige Populist ist, der gerade Oberwasser hat. Und hier geht’s natürlich doch wieder zurück zur Wirtschaft. Wenn die gut läuft und alle – zumindest ansatzweise – davon profitieren, haben es die Trumps dieser Welt erheblich schwerer. Einen weiteren Punkt, der den Erfolg des Republikaners ausgemacht haben könnte, sieht Georg Eckmayr in der Berliner Gazette in einer bedenklichen Entwicklung innerhalb der digitalen Sphäre: In seinem Artikel „Populismus goes Smartphone: Wie Clickbait Politics die Demokratie bedrohen“ beschreibt er, wie die digitalen Medien den Ton und Inhalt des politischen Diskurses beeinflussen. Um Menschen zu erreichen, gehe es immer weniger um politische Kategorien. In der Debatte wird viel mehr auf emotionale Geschichten zurückgegriffen: „Man ist für oder gegen das System, Menschlichkeit wird eingefordert oder das wahre Volk beschworen.“ Diese offenen Begriffe – und zwar unabhängig davon, ob sie von links oder rechts kommen – sparen politische Hintergründe aus und schließen mit ihrem Schwarz-Weiß-Charakter die jeweilige politische Gegenseite aus. So kommt es, dass man im Netz heute entweder sein Weltbild bestätigt findet oder ein absolut konträres vorfindet, das zu lauter Gegenrede einlädt. Populisten diskutieren nicht. Sie zetern und brüllen. Und genau hier setzt unser aller Aufgabe für die nächsten Jahre an: diese Entwicklungen ein paar Einheiten zurückzudrehen. An den Ursachen der verschiedenen Ohnmachtsgefühle arbeiten, die die Menschen für Populismus empfänglich machen. Aber auch andere Meinungen einfach mal stehen lassen, anstatt sie niederzubrüllen, das Gespräch suchen, statt sich sofort empört abzuwenden.

Tja, wie sagt man so schön in Amerika: Stay safe! Wir wünschen Ihnen eine unaufgeregte Woche – und denken Sie immer dran: Wir haben auch Ronald Reagan überstanden! Ihr Team von GOOS COMMUNICATION