KW 46: Das Ende des Achtstundentages?

Goodbye, Achtstundentag! Wieder mal findet eine Ära ihr Ende. Lange wurde für den Achtstundentag gekämpft. Jetzt wollen ihn alle wieder loswerden. Allerdings mit ganz unterschiedlichen Konsequenzen: Den Gewerkschaften ist er zu lang, den Wirtschaftsweisen zu unflexibel, der Wirtschaft zu kurz. Und nun?

Die Forderung nach dem Achtstundentag ist fast so alt wie die Industrialisierung. Der Unternehmer und Frühsozialist Robert Owen war es, der den Slogan „8 Hours Labour, 8 Hours Recreation, 8 Hours Rest“ (8 Stunden Arbeiten, 8 Stunden Erholung, 8 Stunden Schlaf) prägte. Bis der Achtstundentag Realität wurde, vergingen noch einige Jahre. In Deutschland dauerte es bis 1918 – und auch da war das Arbeitnehmerglück nur von kurzer Dauer. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten Arbeitszeit-Schutzvorschriften außer Kraft gesetzt und erst in den 1960er Jahren fand die Gewerkschaftskampagne „Samstags gehört Vati mir“ Gehör und die 40-Stunden-Woche wurde erneut Gesetz. Bis heute. Nun ist die Regelung wieder in Gefahr, wie zwei Links aus GOOSsip der letzten Woche zeigen: Die FAZ berichtete von den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Die IG Metall ging mit der Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn sowie der Möglichkeit, „die Arbeitszeit zeitweise auf 28 Stunden in der Woche zu beschränken“ in den Ring – ein Verhandlungsstart, der – wen wundert’s – die Gegenseite zu scharfen Geschützen greifen ließ. Steffen Kampeter, der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände nannte den Vorstoß gegenüber der Passauer Neuen Presse „gegen jeden gesunden Menschenverstand“ und „völlig weltfremd“.

Flexibilität erwünscht

Jeder, der die Verhandlungen der Tarifparteien auch nur mal am Rande verfolgt hat, weiß natürlich, dass Maximalforderungen und übertriebene Reaktionen zum Schauspiel gehören. Am Ende bleibt es dann doch bei 40 Stunden und man pendelt sich bei 2,x-Prozent Lohnerhöhung ein. Interessanter ist also schon der Grund, aus dem der Rat der Wirtschaftsweisen dem Achtstundentag an den Kragen will: „Flexiblere Arbeitszeiten sind wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen“, so wird der Vorsitzende des Beratergremiums der Bundesrepublik Christoph Schmidt in einem Artikel von t3n zitiert. Ihm geht es allerdings nicht darum, dass die Arbeitnehmer mehr arbeiten sollen, die 40-Stunden-Woche solle vielmehr flexibler gestaltet werden können. Wenn man am Sonntag noch mal eine E-Mail beantwortet, kann das sinnvoll sein. Dafür könne man am Montag ja fünf Minuten früher gehen. In dem verlinkten Artikel stehen die Betroffenen im Mittelpunkt, denn es geht im Schwerpunkt um die Reaktionen im Netz. Und hier ist der Tenor ein ziemlich vernünftiger: Eine heimliche Verlängerung der Arbeitszeit sehen die meisten Kommentatoren kritisch, haben dabei aber auch den Arbeitgeber im Blick: „(…) Jeder Chef und jede Chefin haben doch ein Interesse daran, dass die Angestellten möglichst lange im Betrieb bleiben und produktiv arbeiten können, statt dass sie nach zwei bis drei Jahren ausgebrannt sind“, schreibt einer. Ein anderer führt an, dass die „(…) meisten Menschen bei acht Stunden sowieso nur vier Stunden wirklich produktiv sind“. Flexibilität – und darin sind sich die zitierten Kommentatoren allesamt einig mit dem Rat der Wirtschaftsweisen – sei aber durchaus wünschenswert. Und zwar gerade auch für den Arbeitnehmer, was Stefan Riedel recht anschaulich auf den Punkt bringt: „Die klassische Kita hat bis 16.00, 16.30 auf, und danach musst du halt gucken, was du mit den Lütten machst.“

Wessen Argumentation man auch immer folgt – interessant ist die Diskussion allemal. Allerdings ist sie wahrscheinlich bald obsolet. Mit Digitalisierung und Automatisierung wird es in vielen Wirtschaftsbereichen immer weniger Arbeit geben. Dann geht es nicht mehr darum, wie lange der einzelne Arbeitnehmer arbeitet, sondern wie mit der überschüssigen Arbeitskraft umgegangen werden soll. Und dann wird die Diskussion erst richtig spannend!

Wir wünschen Ihnen eine solide 40-Stunden-Woche (solange es sie noch gibt)!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION