KW 47: Miet me!

Warum kauft man ein Telefon, um zwei Jahre später das nächste zu kaufen? Muss man 2000 Euro für eine Lederhose blechen, um auf dem Oktoberfest nicht unangenehm aufzufallen? Manchmal kann die Miete eine sinnvolle Alternative zum Kauf darstellen. Trotzdem fristet sie immer noch ein Schattendasein.

Vor zwei Wochen drehte sich unser Blogbeitrag um die Paradise-Papers. Als Beispiel für die Unverfrorenheiten der Steuertricksereien der Superreichen diente uns das britische Königshaus, das über ein paar Ecken in ein Unternehmen namens Brighthouse investiert. Brighthouse wiederum ist extrem erfolgreich damit, finanzschwachen Briten zu neuen Staubsaugern, Matratzen oder Waschmaschinen zu verhelfen. Über ein „Rent-to-own“-System können Kunden für einen geringen wöchentlichen oder monatlichen Betrag Haushaltsutensilien mieten – bis sie ihnen irgendwann gehören. Dann allerdings haben sie ungefähr das Doppelte des normalen Ladenpreises bezahlt! Reine Abzocke natürlich. Dass aber nicht alle Mietmodelle schlecht sein müssen, zeigt ein Artikel, den wir in der letzten Woche verlinkt haben. Das Eigentum, das man mit dem Kauf erwirbt, ist ja durchaus nicht immer die sinnvollste Option. Als Beispiel mögen Lederhose oder Dirndl dienen, die sich der Norddeutsche für seinen Oktoberfestbesuch kauft – und die dann über Jahrzehnte im Kleiderschrank langweilen, ohne je wieder genutzt zu werden. Oder die Waschmaschine: In der Stadt wohnen die meisten Menschen in Mietwohnungen. Manchmal zieht man um. Für den neuen Job, in die größere Wohnung, zum neuen Lebensabschnittspartner. Warum eigentlich schleppt man jedes Mal die Waschmaschine mit? Wäre es nicht viel praktischer, wenn man die Waschmaschine mit der Wohnung mieten würde? Die Vermietung von Haushaltsgeräten oder Klamotten ist in Deutschland noch ein Nischenmarkt. Doch das ändert sich gerade, wie der Artikel aus der Onlineausgabe des Handelsblatts erläutert: „In einer Zeit, in der die Lebenszyklen von technischen Geräten immer kürzer würden, müsse der Verbraucher abwägen, ob er wirklich jedes Produkt auf Dauer erwerben wolle.“ Der Versandhändler Otto und die Elektronikkette Media Markt gehören zu den Vorreitern des Mietgeschäfts und testen mit Pilotprojekten die Möglichkeiten des Modells. Besonders bei Media Markt ist man optimistisch: "Aus unternehmerischer Sicht sind wir mit der Entwicklung absolut zufrieden“, so wird der Media Markt Manager Lennart Wehrmeier zitiert. Bei Otto wird noch getestet. Lehrgeld musste man bei den Fitnessgeräten zahlen: Anfang 2017 sei die Nachfrage groß gewesen. „Doch viele Mietverträge wurden rasch wieder gekündigt. Die guten Vorsätze zum Jahreswechsel hatten wohl nicht allzu lange gehalten.“

Mit AR-Erlebnissen begeistern

Die Miete könnte sich als ein neues Element in der Wertschöpfungskette von vielen Produkten etablieren. Für den Absatz (ob als Miete oder Kauf) wird Augmented Reality an Bedeutung gewinnen. Das erläuterte letzte Woche Christopher Kollat von Monotype in Horizont, der einleitend feststellt, dass die meisten Marken bisher nur „an der Oberfläche der Möglichkeiten“ kratzten. Immerhin einer macht es für Christopher Kollat richtig – und wer könnte das anders sein als Ikea: „Ikea hat mit seiner mobilen AR-Anwendung ‚Ikea Place‘ hier ganze Arbeit geleistet. Nutzer können die Möbel aus dem Katalog in den eigenen vier Wänden virtuell platzieren. Dabei können die Kunden die virtuellen Möbel bei sich zu Hause nicht nur abfotografieren und über soziale Netzwerke teilen, sondern auch direkt kaufen.“ Klar, das ist die offensichtlichste Funktion, die Augmented Reality für die Möbelbranche bietet – trotzdem ist sie zielführend, weil sie zeigt, wie „wertvoll die Marke im Leben der Nutzer sein kann“.

Apropos: Gute Nachrichten gab es in der letzten Woche für die Küchenbranche. Nach all den Alno-Nackenschlägen ist eine Meldung des VdDK Balsam für die Seele der Küchenmöbler. „Nicht so schlecht wie es aussieht“ sei das Jahr: „Zwar ist der Umsatz der deutschen Küchenmöbler im September mit -8,43 Prozent ein weiteres Mal zurückgegangen, doch bleibt der VdDK bei seiner Prognose für einen positiven Jahresabschluss“. Wenn das keine gute Nachricht für einen – zumindest in Hamburg – trüben Montagnachmittag ist!

 Wir wünschen Ihnen einen optimistischen Start in die Woche!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION