KW 47: „Zeit statt Zeug“ - Geschenkkultur im Wandel

Die Idee ist nicht neu: Unter dem Motto „Zeit statt Zeug“ forderte eine Wiesbadener Agentur schon 2012 ein anderes Konsumverhalten. Jetzt springt der Mainstream auf.

Quelle: Masson (fotolia)

Quelle: Masson (fotolia)

Kommt Ihnen dieses Szenario bekannt vor? In den Wochen vor Weihnachten hetzt man durch die Geschäfte, um Geschenke für seine Liebsten zu kaufen. Am Heiligabend versperren die gesammelten Einkäufe fast den Blick auf den Weihnachtsbaum. Am 1. Weihnachtstag entsorgt man drei Kubikmeter Verpackungsmaterial und fährt am ersten normalen Arbeitstag in die City, um umzutauschen, was man nicht braucht oder schon hat. So schön das Weihnachtsfest ist – der Konsumaspekt hat mit den Jahren einen immer größeren Raum eingenommen. Und seltsamerweise nervt er fast jeden, mit dem man darüber spricht – freilich ohne dass sich etwas ändert. Auf eine schöne Idee der Agentur Scholz & Volkmer haben wir in der letzten Woche hingewiesen: Schon 2012 rief sie unter dem Motto „Zeit statt Zeug“ zu einem Nachdenken über das Konsumverhalten auf. Zoobesuch statt Stofftier, Waldluft statt Parfüm, Fußballspielen statt Konsole – über eine Website kann man Gutscheine verschenken, die immer eines der wichtigsten Güter, über das wir verfügen, zum Gegenstand haben: Zeit. Diese Aktion traf einen Nerv: Scholz & Volkmer setzte in der Folge für verschiedene Kunden die Idee als Weihnachtsaktion um. Die Facebook-Seite gibt es mittlerweile in fünf Sprachen und zum Weihnachtsfest 2016 sind mit Otto, Edeka und der britischen Handelskette Sainsbury‘s gleich drei Schwergewichte auf den Zug aufgesprungen.

Verkauft wird trotzdem

Eine ganz andere Sprache spricht der Konsumklima-Gesamtindikator, den die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) regelmäßig erhebt. Er soll die Konsumneigung der Privathaushalte widerspiegeln und damit Prognosen über die privaten Konsumausgaben ermöglichen. In ihrer jüngsten Erhebung stellt die GfK nun eine „relativ stabile Entwicklung“ fest. 9,8 Punkte prognostiziert man für den Dezember. Nach mehreren Rückgängen in Folge kann der Indikator damit vor der Hochphase des Weihnachtsgeschäfts wieder leicht zulegen. Zwar ist die Einkommenserwartung im Vergleich zum Vorjahr kaum gestiegen – und wird durch steigende Inflationsraten noch leicht geschmälert. Doch die Anschaffungsneigung, die als wichtigster Teilbereich der GfK-Erhebung gesehen wird, konnte dennoch leicht zulegen. Gekauft wird also unverändert. Und das ist natürlich auch nicht verwerflich: Wir alle freuen uns zwar sehr über mehr Zeit, die wir mit den Liebsten verbringen können, aber das ein oder andere Geschenk würden wir auch nicht ablehnen. Dass man beim Weihnachtseinkauf die Themen Nachhaltigkeit, Maßlosigkeit und Sinnhaftigkeit im Blick behält, ist aber trotzdem sinnvoll – und schont zudem das Bankkonto.

Wir wünschen Ihnen eine maßvoll konsumklimafreundliche Woche!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION