KW 50: Fühlbar warmes Design – Inneneinrichtung und Möbel von Morgen

Minimalismus und pure Sachlichkeit – so lässt sich der aktuelle Stand in der Möbel- und Einrichtungsbranche grob beschreiben. Möbel müssen funktional und einfach sein, das Interior Design schlicht, zurückhaltend und kühl.

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Diese Eigenschaften umgeben uns tagtäglich. Nicht nur in der Freizeit, in Läden, Kaffeesund den eigenen vier Wänden, auch in der Berufswelt haben die meisten Menschen mit kühlen, glatten Handy- und Tablet-Oberflächen zu tun. Haptisch aufregenden Materialien begegnen wir immer seltener. Da ist es kein Wunder, dass der Wunsch nach Sinnlichkeit, Behaglichkeit und einem Ausbruch aus der digitalen Welt wächst. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erzählt der amerikanische Innenarchitekt Douglas Helkenn, dass er seinen Kunden immer öfter eine Zen-Zone im Haus einrichtet: In diesem Bereich soll es keine technischen Geräte geben. Eine Tür oder ein Fenster, die einen Blick in die Natur öffnen, helfen dabei, die Gedanken schweifen zu lassen. Douglas Helkenn beschreibt den Einrichtungstrend in Amerika: weg vom kühlen, klaren Industriedesign, hin zu dicken Teppichen und Polstermöbeln.

Rau, feinporig, weich, kratzig, warm

Wenn in Amerika ein Trend gesetzt wird, dauert es meist eine Weile, bis er in Europa ankommt. Doch in Hinblick auf die Haptik sind die Bedürfnisse der Menschen in Amerika und Europa wohl heute schon gleichauf. Das Motto der diesjährigen Biennale Interieur in Belgien lautete „Anfassen bitte!“. Der belgische Designer Vincent Van Duysen verwendete für seine dort ausgestellten, neuen Möbel hochwertige Naturmaterialien wie Beton, Holz, Metall und Wolle. Dabei orientierten sich seine Möbel äußerlich am aktuellen Trend des Minimalismus – bei näherem Hinsehen und vor allem Anfassen konnte man feinporiges Beton, kühles Leinen, aufgerautes Holz und kratziges Sisal fühlen. Damit trifft der „Designer des Jahres 2016“ den Nerv der Zeit. Auch die belgische Trendforscherin Hilde Francq bemerkt in der WELT: „Durch die Digitalisierung sind sehr viele taktile Tätigkeiten und Objekte aus unserem Alltag verschwunden. […] Wir bleiben emotionale und sinnliche Lebewesen und sehnen uns danach zu berühren und berührt zu werden.“ Doch nicht nur der Möbelbereich versucht mit spannenden, strukturierten Oberflächen die Menschen zu berühren – auch die Elektronikbranche zieht mit: Musikboxen von Cecilie Manz für Bang & Olufsen sind mit Ledergriffen versehen und mit Textilien bezogen. Es geht den Leuten mehr um Authentizität statt um bloße Optik.

Wird das schlichte Sofa im Wohnzimmer also bald durch eine traditionelle Polstercouch ausgetauscht, weil das in Amerika auch so ist? Nein, denken wir. Die Sehnsucht nach mehr Sinnlichkeit, nach aufregenden, andersartigen Oberflächen wird die Inneneinrichtung und das Möbeldesign von Morgen beeinflussen. Allerdings ist Europa stark vom Skandinavischen Design geprägt, was eine Kombination aus leichten Möbeln, Holz, Beton und dezenten Teppichen bedeutet. Dabei werden aber die haptischen Reize, wie sie Vincent Van Duysen eingesetzt hat, sicherlich eine wichtige Rolle spielen. Und auch die Zen-Zone von Douglas Helkenn finden wir sehr gut. Bis fette Polstermöbel und dicke Teppiche auch auf dieser Seite des Atlantiks wieder en vogue sind, muss aber wohl doch noch etwas mehr Zeit ins Land gehen.

Wir wünschen Ihnen eine sinnliche Woche!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION