KW 7: Kostenlos von A nach B

Denken wir kurz an Bauvorhaben in Deutschland. Was kommt uns als erstes in den Sinn? Das liebe Geld. Es wird doch immer alles teurer als gedacht – so ist es beim BER, der bekanntlich immer noch nicht eröffnet hat, und so war es auch bei dem neusten und wohl liebsten Wahrzeichen der Hamburger: der Elbphilharmonie. Aber was hat die Elphi mit dem Nahverkehr zu tun? Wer den Link auf spiegel.de aus unserem Newsletter der vergangenen Woche gelesen hat, wird es ahnen.

Heute geht’s darum, wie wir uns fortbewegen und auch darum, welche Luft wir atmen wollen. Genauer geht’s um das Thema, das vergangene Woche die Bundesregierung in einem Brief nach Brüssel positioniert hat: Der kostenlose Nahverkehr soll finanziell gefördert werden. Zu dem Vorschlag ließ sich die Regierung hinreißen, da der Druck aus Brüssel in Sachen Luftverschmutzung steigt. Na, da klingelt es doch im Ohr? „Zu hoher Ausstoß von Stickoxiden in vielen deutschen Städten“ und „Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge“ sind die Schlagzeilen, die mit diesem Thema einhergehen. Zunächst einmal kann man davon ausgehen, dass das Thema „Kostenlos von A nach B“ in der Öffentlichkeit auf positive Resonanz stößt. Nichts zahlen, trotzdem überall hinkommen – und das für alle? Das würde sicherlich nicht nur auf der morgendlichen Fahrt zur Arbeit und beim Blick ins Portemonnaie Freude bereiten. Doch wie so oft bei solchen Vorschlägen dreht es sich schnell darum, wie es finanziert und umgesetzt werden soll. Insbesondere die Verbände der Kommunen fragen nach einem Finanzierungsvorschlag. In Hamburg ließ man sich vom Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zur einem Vergleich hinreißen, der verdeutlicht, um welche Summen es bei dem Thema geht. Im Spiegel-Artikel heißt es: „Der HVV erziele durch Fahrscheinverkäufe jährlich rund 830 Millionen Euro“, sagte ein Sprecher. Diese Mittel müssten bei einem Gratis-Angebot zusätzlich vom Steuerzahler aufgebracht werden. "Das ist in etwa eine 'Elphi' pro Jahr", sagte der Sprecher mit Blick auf die Elbphilharmonie. „Das Konzerthaus hat knapp 800 Millionen Euro gekostet.“ Damit haben wir die Antwort was unsere Elphi mit Bus und Bahn zu tun hat. Knapp 830 Millionen Euro. Das ist ein ganz schön großer Berg Geld, der aber noch lange nicht alles abdeckt. Gehen wir einen Moment davon aus, dass der Vorschlag der Bundesregierung umgesetzt werden würde und wir tatsächlich gefühlt umsonst in die Bahn steigen. Es liegt nahe, dass so wie Sie, die vielleicht jetzt schon mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit fahren, mehr Leute einen Platz in der U-Bahn suchen. Genau daraus folgt das nächste Finanzierungsproblem: Es müssten mehr Bahnen und Busse eingesetzt werden, die aber zum Beispiel in Hamburg erstmal gekauft werden müssten. Außerdem müsste in Hamburg das Verkehrsnetz so ausgebaut werden, dass tatsächlich mehr Fortbewegungsmittel eingesetzt werden könnten. Das kostet neben Geld vor allem Zeit: „Hinzu kämen langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Ausbau von U- und S-Bahnen. So wird in Hamburg das Vorhaben einer neuen nördlichen U-Bahn-Linie U5 derzeit zwar konkreter. Erste Bauarbeiten könnten - selbst wenn alles glatt läuft - nach Angaben der Betreiber aber erst 2021 starten.“ Wie einleitend beschrieben erinnert das Ganze doch irgendwie auch an den BER, oder? Kostet Geld, viel Zeit und mit der Zeit auch mehr Geld – zumindest, wenn wir davon ausgehen, dass bei einem kostenlosen Nahverkehr mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen.

Best Practice: Dresden 

Der öffentliche Nahverkehr ist oft Thema. Nicht nur aufgrund des aktuellen Vorschlags der Regierung, sondern auch immer dann, wenn Bus und Bahn unpünktlich sind, ganz ausfallen oder sich die Preise erhöhen. Doch in Deutschland gibt es eine Stadt, die ein wunderbares Vorbild in Sachen öffentlicher Mobilität ist. Wir wechseln von Hamburg an der Elbe nach Dresden. Die Stadt war im vergangen Jahr ungefähr zur gleichen Zeit mit ihrem Nahverkehr positiv in den Nachrichten und ist es auch passend zur aktuellen Diskussion um den kostenlosen Nahverkehr wieder. In dem Beitrag des heute-journals vom 13.02.2018 zeigt sich, wie viel möglich ist: Pünktliche Busse und Bahnen, günstige Tickets, zufriedene Fahrgäste, die nicht nur überall gut ankommen, sondern auch nachts ohne Sorgen in den nächsten Bus einsteigen können. Dresden ist damit noch kein Beispiel für kostenlose Mobilität, aber für den Einsatz von digitaler Technik, die dafür sorgt, dass Energie gespart und gleichzeitig der Ausstoß von Schadstoffen reduziert wird – was somit auch positiven Einfluss auf die Luft hat. Vielleicht ist das Dresdner-Verkehrsmodell ein Modell für ganz Deutschland? So oder so – man darf gespannt bleiben, ob zu dem vom Spiegel bezeichneten „öffentlichwirksamen“ Vorschlag des kostenlosen Nahverkehrs, demnächst auch ein fundierter Finanzierungsvorschlag folgt.

Wir hoffen, dass Sie einen guten Start in die neue Woche hatten und wünschen allzeit gute Fahrt – egal, ob mit Auto, Bus, Bahn oder Fahrrad. Wichtig ist doch erstmal, dass wir alle gut und sicher ankommen. Der Rest wird sich zeigen.

Ihr Team von GOOS COMMUNICATION