KW 8: Liquiditätsengpässe im La La Land

Eigentlich ist die Küchenbranche verwöhnt: Die Wachstumsraten sind überdurchschnittlich, das Segment ist international gut aufgestellt. Dass der Schein trügen kann, bzw. nicht für alle gilt, zeigten die Schockmeldungen Ende letzter Woche: Mit Allmilmö, Zeyko, Nolff und Nieburg haben gleich vier Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht angetreten … 

Hätte es nur einen Antrag gegeben – es wäre kaum der Rede wert gewesen. Dass in der letzten Woche gleich vier Unternehmen Insolvenz anmelden mussten, sorgt in der Küchenbranche dann doch für eine nachvollziehbare Unruhe. Zumal es mit Allmilmö, Zeyko, Nolff und Nieburg nicht die unbekanntesten Marken der Branche getroffen hat. Gerade Allmilmö und Zeyko hatten im Januar noch glänzende Auftritte auf der LivingKitchen hingelegt. Die Auftragsbücher sollen gut gefüllt gewesen sein. Auch bei Nieburg Küchen mussten die Mitarbeiter in letzter Zeit am Samstag an die Maschinen: „Wir haben einen Auftragsbestand von 2 Mio. Euro offen, das sind etwa 500 Küchen“ – das sagte der Nieburg-Geschäftsführer Andreas Assner auf möbelkultur.de. Assner hatte im April des letzten Jahres bei Nieburg Küchen das Ruder übernommen und das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht. Und jetzt das. Liquiditätsengpass. Insolvenz. Ein Schicksal, das die Ostwestfalen mit gleich drei Unternehmen der La Cour Gruppe teilt, bei denen ebenfalls wenig darauf hindeutete, dass es dermaßen eng werden könnte.

Über die Ursachen kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Klar aber ist, dass es auch in einer soliden Branche wie der Küchenmöbelindustrie für das Mittelfeld nicht einfacher wird. Die großen Player produzieren mehr, können die sinkenden Grenzkosten an die Endverbraucher weitergeben, ihre internationalen Aktivitäten leichter ausbauen und in neue effiziente Technologien investieren. Doch wie können die kleineren Unternehmen von dem unvermindert anhaltenden Trend zum Rückzug ins Private und der Küche als Mittelpunkt eben dieses Privaten profitieren? Spezialisierung, Fokus auf Design? Tja, da wird’s schwierig, denn eigentlich haben zum Beispiel Allmilmö oder Zeyko alles richtig gemacht. Allmilmö mit seinem Schwerpunkt auf hochwertige Gestaltung. Zeyko als Vorreiter für die nachhaltig gestaltete Küche (schon 1984 brachten die Schwarzwälder eine Bio-Küche auf den Markt). Zum Glück muss Insolvenz nicht das Ende bedeuten. Hoffen wir also, dass die vier sich wieder berappeln. Schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft. Und wir wollen ja nicht in einer Welt leben, in der die Vielfalt komplett dem Preisdiktat geopfert wurde.

Die Illusionsmaschine läuft

Wir haben die Branche in der Überschrift etwas lapidar „La La Land“ genannt – eben weil sie im Kern eigentlich recht gesund ist, gut funktioniert und der Preis zwar eine Rolle spielt, aber längst nicht mit so harten Bandagen gekämpft wird, wie zum Beispiel in der Welt des Online-Handels. Das eigentliche La La Land befindet sich aber ein paar Flugstunden entfernt jenseits des Atlantiks. So wird nämlich Los Angeles genannt, die Filmmetropole Amerikas, auf die gestern Abend die ganze Welt geschaut hat. Es stand die jährliche Verleihung der Academy Awards an, die höchste Ehrung der Filmindustrie also, die auch Oscar genannt wird, weil die ehemalige Vorstandssekretärin der Akademie, Margaret Herrick, beim Anblick der Statue gesagt haben soll: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar!“

Wie jedes Jahr trafen in Hollywood spannende Filmneuheiten auf eine glamouröse Gala, auf der die Wahl des richtigen Kleids beinahe ebenso wichtig war wie die Nominierung an sich. Und diese Mischung aus Qualität und Glamour ist es, die auch der Möbelbranche gut zu Gesicht steht. In der letzten Woche meldete die Augsburger Allgemeine, dass die Modebranche mit ihren Home Collections zunehmend in den Möbelbereich einsteigt. Wer seinem Zuhause einen Hauch von Glamour verleihen will, wird zum Beispiel bei Hermès fündig. Diese Kreationen haben natürlich ihren Preis – und bilden damit die eine Extremseite der Preisskala, auf deren anderer Seite Massenproduzenten wie IKEA ihre Produkte anbieten. Eine Vielfalt wie in Hollywood: Gestern Abend wurden so unterschiedliche Filme wie eben „La La Land“ oder „Moonlight“ ausgezeichnet. Im La La Land findet ein eskapistisches Musical, in dem die Illusionsmaschine Hollywood sich selbst feiert, ebenso Platz wie ein Film über verschiedene Lebensstationen eines homosexuellen Afroamerikaners. Diese Vielfalt gilt es zu feiern und zu bewahren. Im La La Land, in der Küchenbranche und eigentlich auch überall anders.

Wir wünschen Ihnen eine glamouröse Woche voller Unterschiede!
Ihr Team von GOOS COMMUNICATION