Warum Rabattkommunikation im Küchen- und Möbelhandel nicht mehr ausreicht

Die Grenzen der Rabattstrategie im Möbelhandel

Wer die Werbung vieler Möbelhäuser und Küchenstudios betrachtet, erkennt schnell ein wiederkehrendes Muster. 20 % Rabatt. 40 % Rabatt. 50 % auf frei geplante Küchen. Dazu durchgestrichene Preise, Aktionszeiträume und vermeintlich einmalige Angebote. Diese Form der Kommunikation funktioniert seit vielen Jahren. Sie erzeugt Aufmerksamkeit, schafft Frequenz und liefert kurzfristig messbare Ergebnisse.

Doch sie hat auch eine Schattenseite. Denn wer ausschließlich über den Preis kommuniziert, reduziert die eigene Leistung auf den Preis. Dabei treffen Kundinnen und Kunden ihre Kaufentscheidung längst nicht mehr allein aufgrund eines Rabatts. Der aktuelle Atlas der Kanalrelevanz des EHI zeigt deutlich, dass Kaufentscheidungen heute über verschiedene Phasen hinweg entstehen. Menschen lassen sich inspirieren, recherchieren, vergleichen und bewerten. Erst am Ende steht die konkrete Kaufentscheidung. Für den Möbel- und Küchenhandel bedeutet das:

Wer nur über Angebote spricht, erreicht oft nur einen kleinen Teil der eigentlichen Kaufentscheidung.

 

Die meisten Kampagnen verkaufen Preis statt Vertrauen

Ein Küchenkauf gehört für viele Menschen zu den größten Investitionen im privaten Wohnumfeld. Trotzdem konzentrieren sich zahlreiche Kampagnen fast ausschließlich auf Preisargumente. Dabei beschäftigen Kundinnen und Kunden ganz andere Fragen:

  • Passt dieses Küchenstudio zu meinen Anforderungen?
  • Kann ich der Beratung vertrauen?
  • Wie läuft die Planung ab?
  • Welche Materialien sind sinnvoll?
  • Was passiert bei Reklamationen?
  • Wie zuverlässig ist die Montage?
  • Welche Erfahrungen haben andere Kunden gemacht?

Keine dieser Fragen wird durch einen Rabatt beantwortet. Der Preis kann Interesse erzeugen. Vertrauen entsteht jedoch auf andere Weise. Genau deshalb geraten Handelsunternehmen zunehmend unter Druck, die ausschließlich über Preisaktionen sichtbar werden. Denn wenn jeder mit Rabatten wirbt, wird der Preis zur einzigen Vergleichsgröße. Und genau dort möchte kaum ein Händler dauerhaft konkurrieren.

 

Was der Atlas der Kanalrelevanz über Kaufentscheidungen verrät

Eine der spannendsten Erkenntnisse der EHI-Studie liegt nicht bei den Kanälen selbst, sondern bei der Betrachtung der Customer Journey. Menschen treffen Kaufentscheidungen nicht spontan. Sie bewegen sich durch unterschiedliche Phasen. Je nach Phase verändern sich die Informationsbedürfnisse und damit auch die Anforderungen an die Kommunikation. Wer ausschließlich mit Angeboten wirbt, konzentriert sich häufig nur auf die letzte Phase der Entscheidung. Dabei entstehen viele Kaufentscheidungen bereits deutlich früher.

 

Die drei Phasen einer Kaufentscheidung im Möbel- und Küchenhandel

Awareness: Der erste Kontakt

In dieser Phase besteht häufig noch kein konkreter Kaufwunsch. Menschen sammeln Ideen, entdecken neue Möglichkeiten oder beschäftigen sich erstmals mit einem Thema. Typische Fragen sind:

  • Welche Wohntrends gibt es aktuell?
  • Welche Küchenstile sind gefragt?
  • Welche Möglichkeiten habe ich überhaupt?

In dieser Phase funktionieren Inspiration, Geschichten, Beispiele und Emotionen deutlich besser als Preiswerbung.

Interest: Die Orientierung

Nun wird das Interesse konkreter. Die Kundinnen und Kunden beginnen, aktiv zu recherchieren. Sie vergleichen Materialien, Hersteller, Planungsansätze oder Einrichtungsstile. Jetzt gewinnen Inhalte an Bedeutung, die Orientierung schaffen:

  • Planungstipps
  • Wohnideen
  • Materialvergleiche
  • Geräteinformationen
  • Praxisbeispiele

Wer hier hilfreiche Informationen liefert, wird frühzeitig Teil der Entscheidungsfindung.

Consideration: Die konkrete Auswahl

Jetzt beginnt die eigentliche Bewertung. Die Kundinnen und Kunden prüfen Anbieter, vergleichen Leistungen und suchen nach Sicherheit. Entscheidend werden nun:

  • Referenzen
  • Bewertungen
  • Projektbeispiele
  • Beratungsqualität
  • Serviceleistungen
  • Transparenz

Erst in dieser Phase spielt der Preis häufig seine größte Rolle. Viele Händler kommunizieren jedoch fast ausschließlich hier – und verschenken dadurch Potenziale in den vorgelagerten Phasen.

 

Nicht jeder Kunde kauft aus demselben Grund

Ein weiterer wichtiger Aspekt der EHI-Analyse ist die Betrachtung unterschiedlicher Einkaufs- und Kaufmotive. Nicht alle Menschen reagieren auf dieselben Botschaften. Was den einen überzeugt, ist für den anderen nahezu irrelevant.

Der Schnäppchenjäger

Dieser Kundentyp sucht aktiv nach Preisvorteilen. Rabatte, Aktionen und Finanzierungsangebote funktionieren hier weiterhin sehr gut. Die Herausforderung besteht darin, den Preis nicht zum einzigen Argument werden zu lassen.

Der Smart Shopper

Dieser Käufer sucht das beste Verhältnis aus Preis und Leistung. Er möchte verstehen, warum ein Angebot sinnvoll ist. Hier helfen transparente Leistungsbeschreibungen, Qualitätsargumente und nachvollziehbare Vergleiche.

Familien und Alltagsplaner

Familien interessieren sich häufig weniger für Designpreise als für praktische Lösungen. Stauraum, Robustheit, Pflegeleichtigkeit und Alltagstauglichkeit stehen im Vordergrund. Wer diese Bedürfnisse versteht, kann deutlich relevanter kommunizieren.

Der trendorientierte Shopper

Dieser Kundentyp interessiert sich für neue Wohntrends, innovative Produkte und moderne Designlösungen. Er lässt sich von Inspirationen, Neuheiten und kreativen Einrichtungsideen begeistern und reagiert häufig stärker auf Trends und Innovationen als auf Preisaktionen.

 

So entwickeln Händler eine Kommunikationsstrategie statt einer Rabattstrategie

Rabatte werden auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Handelskommunikation bleiben. Die Frage ist nicht, ob Angebote sinnvoll sind. Die Frage ist, ob sie das einzige Kommunikationsmittel bleiben. Erfolgreiche Händler kombinieren heute verschiedene Inhalte:

  • Inspiration für die erste Aufmerksamkeit
  • Orientierung während der Recherche
  • Vertrauen in der Entscheidungsphase
  • Angebote zum richtigen Zeitpunkt

Dadurch entsteht eine deutlich stabilere Kundenbeziehung. Und häufig auch eine höhere Wertschätzung für die eigentliche Leistung. Denn Küchen und Möbel werden nicht gekauft, weil sie reduziert sind. Sie werden gekauft, weil sie Bedürfnisse erfüllen, Probleme lösen und Lebensräume gestalten.

 

Das können Möbel- und Küchenhändler konkret mitnehmen

Die Erkenntnisse des Atlas der Kanalrelevanz zeigen deutlich:

  • Kaufentscheidungen entstehen über mehrere Phasen hinweg.
  • Unterschiedliche Kundentypen benötigen unterschiedliche Botschaften.
  • Rabattkommunikation bleibt wichtig, reicht aber allein nicht mehr aus.
  • Vertrauen wird zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
  • Relevante Inhalte unterstützen die Kaufentscheidung deutlich besser als reine Preisargumente.

Wer seine Kommunikation ausschließlich auf Aktionen und Preisvorteile reduziert, verschenkt Potenzial. Wer dagegen die gesamte Customer Journey begleitet, schafft Vertrauen, stärkt die Marke und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Kaufentscheidung. Denn die eigentliche Frage lautet nicht:

Wie hoch ist der Rabatt?

Sondern:

Warum sollte ein Kunde genau bei Ihnen kaufen?

 

FAQ: Marketing und Kommunikation im Küchen- und Möbelhandel

Reichen Rabatte aus, um neue Kunden zu gewinnen?

Rabatte können Aufmerksamkeit erzeugen und Kaufimpulse auslösen. Langfristig benötigen Händler jedoch zusätzliche Inhalte, die Vertrauen schaffen und Orientierung geben.

Welche Inhalte funktionieren besser als reine Preiswerbung?

Besonders wirksam sind Referenzen, Planungstipps, Einrichtungsideen, Projektberichte, Kundenbewertungen und Expertenwissen.

Wie läuft die Customer Journey beim Küchenkauf ab?

In der Regel beginnt sie mit Inspiration und Orientierung, geht über Recherche und Vergleich und endet mit der konkreten Anbieter- und Kaufentscheidung.

Welche Kaufmotive haben Küchenkunden?

Neben dem Preis spielen Design, Funktionalität, Qualität, Vertrauen, Service, Alltagstauglichkeit und Sicherheit eine wichtige Rolle.

Wie können Küchenstudios Vertrauen aufbauen?

Durch transparente Kommunikation, Referenzprojekte, Kundenbewertungen, nachvollziehbare Beratungsprozesse und hilfreiche Inhalte entlang der gesamten Kaufentscheidung.

Welche Inhalte sollte ein Küchenhändler auf seiner Website veröffentlichen?

Empfehlenswert sind Planungsratgeber, Referenzprojekte, Kundenstimmen, Informationen zu Materialien und Geräten, FAQ-Bereiche sowie Einblicke in den Beratungs- und Montageprozess.

 

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*Quelle: EHI Retail Institute, Atlas der Kanalrelevanz 2026. Die Studie untersucht die Bedeutung verschiedener Kommunikationskanäle entlang der Customer Journey und dient als Grundlage für die im Beitrag dargestellten Entwicklungen und Einordnungen. Autor: Paul Wiechers, GOOS COMMUNICATION

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