KW 41: Die kochlose Küche

Wir stehen vor einem Paradoxon: Während die Küche immer intelligenter wird, immer mehr Technik das Kochen immer einfacher macht und die Umsätze der Küchenbranche sich auf hohem Niveau halten, wird trotzdem immer weniger gekocht. Bleibt die Frage: Was tun die Menschen bloß in ihren grifflosen Wohnküchen zwischen Sous-Vide-Garer und vernetztem Kühlschrank? 

Fangen wir mit den guten Nachrichten an: die SICAM vermeldet einen „furiosen Start“. Trotz der ebenfalls sehr erfolgreichen interzum, die Anfang des Jahres in Köln über die Bühne ging, zog es letzte Woche wieder eine Rekordzahl an Zulieferern nach Pordenone. „Der Informationsbedarf bei Besuchern und Ausstellern ist weiterhin hoch“, schreibt die Möbelfertigung. Mit 583 Ausstellern aus 36 Ländern und einer Netto-Ausstellungsfläche von 15.115 Quadratmetern erreicht die Messe in der idyllischen 50.000-Einwohner-Stadt bei Venedig ihre Kapazitätsgrenzen. Die Restaurants mussten schon nach draußen verlagert werden. Für die Macher ist das dennoch kein Grund über Veränderungen nachzudenken: Auch die nächste SICAM werde in Pordenone stattfinden. Messe-Chef Carlo Giobbi betont, dass die SICAM zur rechten Zeit am rechten Ort stattfinde. Es gäbe keinen Grund für Veränderung.

 In Deutschland bleibt die Küche kalt

Im Fußball nennt man so ein Vorgehen: Never change a winning team. Dieser Ausspruch der englischen Trainerlegende Sir Alf Ramsey wurde später von der IT-Branche aufgegriffen (Never change a running system) und hat in beiden Bereichen zweifelsohne seine Berechtigung. Ob er auch für die Küchenbranche Gültigkeit beanspruchen kann, wird die Zeit zeigen. Diese sieht sich nämlich momentan mit einem Paradoxon konfrontiert: Obwohl erfolgsverwöhnt und florierend, obwohl die Küche in aller Munde ist und Kochkunst quasi Popkultur geworden ist, wird in Deutschlands Küchen eins immer weniger getan: gekocht.

„In Deutschland bleibt die Küche immer öfter kalt. In nicht mal mehr jedem vierten Haushalt wird täglich frisch gekocht.“ – das schreibt Carsten Dierig in Die Welt und bezieht sich dabei auf die Studie „Consumers Choice ’17“ von den Marktforschern der GfK und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Nach dieser Studie sieht es tatsächlich düster aus: Um 6 Prozent ging die Anzahl der Alltagsköche, die täglich den Herd einschalten, seit 2013 zurück. Auf 23 Prozent! Die Gründe dafür seien vielfältig: Die Generationen, die jetzt Haushalte gründen würden, würden regelmäßige Mahlzeiten kaum mehr kennen. „Und viele von ihnen lernen auch gar nicht mehr zu kochen.“ – so wird Studienautor Robert Kecskes von der GfK im Text zitiert. Außerdem fehle es oft schlichtweg an Zeit – was den Kochtypus der Zukunft erklärt: Im Kommen seien nämlich die „Aufwärmer“ und die „Snacker“.

Stehen diese Studienergebnisse nun im Widerspruch zum Küchen- und Kochhype? Eigentlich nicht. Sie sind sogar recht logisch, wenn man sich die Lebensrealitäten anschaut. Es wird immer mehr gearbeitet, reine Hausmänner oder -frauen gibt es kaum mehr. Kinder essen in Ganztagsschulen. Kochen ist also weniger Notwendigkeit als Event. Es ist ein soziales Ereignis – und dazu passen wiederum die Trends, die die Küchengestaltung prägen. Die Wohnküche zum Beispiel. Oder die vielen Luxusgeräte wie Sous-Vide-Garer, die beim täglichen Mittagessen auch in den 1950er Jahren kaum zum Einsatz gekommen wären. Die GfK-Studie verzeichnet ein Wachstum bei den sogenannten Wochenendköchen. Fünf Werktage bleibt die Küche kalt, am Wochenende wird sie zum sozialen Treffpunkt. Man entspannt mit Freunden bei kulinarischen Genüssen – und vergisst dabei vielleicht auch den Fertigkram, den man sich während der Woche angetan hat. Dass die Küchenbranche die Entwicklung trotzdem genau beobachten sollte, ist klar. Vielleicht kann sie dem Trend zum Fertiggericht sogar etwas entgegensetzen: Digitale Helfer in der Küche sind gefragt. Sie machen das Kochen leichter und ermächtigen den ungelernten Koch dazu, schnelle,  einfache, schmackhafte und gesunde Gerichte zu zaubern.

Ob sie zu den Wochenend- oder Tageskochern gehören, zu den Snackern oder Aufwärmern – wir wünschen Ihnen so oder so eine kulinarisch zufriedenstellende Woche!

Ihr Team von GOOS COMMUNICATION

KW 40: Die fünf Sinne - sinnlich, sinnlos, übersinnlich?

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Wer immer den Menschen erfunden hat, er tat gut daran, ihm Nase, Mund, Haut, Ohren und Zunge mit auf den Weg zu geben. Mit diesen Sinneswerkzeugen erfahren wir unsere Umwelt. Während wir noch genüsslich am 2010er Château Mouton Rothschild schnüffeln, arbeitet die Wirtschaft schon lange daran, sich unserer Sinne zu bedienen, um ihre Produkte noch besser verkaufen zu können. Wenn Sie regelmäßig all unsere News-Tipps erhalten wollen, können Sie sich hier für unsere Presseschau GOOSsip kostenlos anmelden.

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